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1935 · The Revolutionaries · Werk 1000 von 1.871

The interior of a metro motor car standing at an underground platform on an evening in late April, seen from its rear end at seat height down its whole length, a row of open white bowl-shaped ceiling lamps, brown leather sofas along both walls, the sliding doors on the left side open, the car's outer panels at the door edge sand yellow above and brick red below, beyond the doors a bright hall with paired many-sided pylons of white and grey marble and a dense crowd in dark coats pressing toward the door, caps and arms raised, inside the car near the camera a girl of nine in a dark coat and knitted cap sitting on the sofa, a pale black-moustached man in a dark civilian overcoat one step inside the door, face in shadow, and standing in the open doorway itself, midway down the left side of the car, his back to the crowd, the man, a living figure in the scene and the only person whose face is sharp, a short stocky man of fifty-six in a plain grey military greatcoat and a peaked cap, one hand on the rail beside the door, his face turned toward the camera.

Wer
Josef Stalin, eigentlich Iossif Dschugaschwili (1878–1953), herrschte von den späten 1920er Jahren bis zu seinem Tod als Diktator über die Sowjetunion. Geboren im Dezember 1878 im georgischen Gori, wurde er 1922 Generalsekretär der Kommunistischen Partei und baute dieses Amt zur Grundlage seiner Macht aus. Ab 1929 ließ er die Landwirtschaft gewaltsam kollektivieren und trieb die Industrialisierung mit äußerster Härte voran; das Land sei 50 bis 100 Jahre zurück und müsse den Abstand in zehn Jahren aufholen, sagte er 1931. Der Preis war ungeheuer. In der von der Führung verschuldeten Hungersnot 1932/33 starben sechs bis sieben Millionen Menschen, vor allem in der Ukraine und in Kasachstan. Im „Großen Terror“ 1937/38 wurden mindestens 1,4 Millionen Menschen verhaftet und über 680.000 erschossen. Anfang der 1950er Jahre saßen etwa 2,5 Millionen Menschen in den Lagern des Gulag. 1939 schloss Stalin den Pakt mit Hitler; nach dem deutschen Überfall 1941 übernahm er selbst die Kriegführung. Er starb am 5. März 1953. Die Moskauer Metro, unter ihm als Prestigebau errichtet, fährt bis heute.
Der Moment
Am Abend des 22. April 1935 war die erste Linie der Moskauer Metro fertig, aber noch nicht eröffnet; Publikum durfte schon Probe fahren. Im Kreml feierte man den Geburtstag der Kinderfrau von Stalins Tochter Swetlana. Beim Essen kam die Rede auf die Metro, und Lasar Kaganowitsch, der den Bau im Auftrag der Partei leitete, ließ für die Frauen und das Kind zehn Fahrkarten kommen. Da entschloss sich Stalin plötzlich, mitzufahren. Kaganowitsch wurde bleich und schlug vor, bis Mitternacht zu warten; Stalin bestand auf sofort. Unten in der Station roch es nach feuchtem Kalk, alles war sauber und hell. Der Zug kam überfüllt, der Motorwagen wurde für die Gruppe geräumt, auf dem Bahnsteig riefen die Menschen Hurra. In Ochotny rjad stieg man aus, die Menge drängte heran und riss die Gruppe auseinander. Diesen Augenblick zeigt das Bild: Stalin in der offenen Wagentür, hinter ihm die Menge.
Die Kehrseite
Zehn Fahrkarten für die Frauen und ein Kind, und dann fuhr der Chef mit. Was seine Vorzeigemaschine politisch bewirkte, erlebte er an diesem Abend selbst: Hurra-Rufe, Gedränge, Wache und Miliz, eine riesige gusseiserne Lampe, die die Menge umwarf, ein Sohn, der danach hysterisch weinte. Wenig später sprach Stalin über die Fahrt und den Jubel und nannte ihn einen Fetischismus der Volksseele, das Verlangen nach einem Zaren. Aufgeschrieben hat das alles Maria Swanidse, eine Verwandte Stalins, in ihrem Tagebuch. 1937 wurde sie verhaftet, 1942 erschossen. Das Tagebuch lag in Stalins Privatarchiv.

Was die Quellen offenlassen: Die Fahrt ist nur durch Maria Swanidses Tagebucheintrag vom 29. April 1935 belegt, sieben Tage danach und in ergebenem Ton; ein Foto ist nicht bekannt. Was Stalin trug, ist nicht überliefert; Mantel und Schirmmütze folgen Aufnahmen jener Jahre. Wagen, Sitzordnung und Kleidung der Begleiter sind Setzung. Eine spätere Erzählung von einem Halt im Tunnel widerspricht dem Tagebuch; das Werk folgt dem Tagebuch.

Zum Weiterlesen

Quellen