The Marbled Register

1914 · Mobile X-Ray Unit · Werk 1007 von 1.871

A whitewashed field hospital room north of Paris on a grey November day, a folding wooden table, a grey wool blanket folded on it, a tall stand on a five-footed base with castors holding a glass bulb tube in a clamp, on a side table a switch box with two round meters, plain dials with bare pointers, a green-black marbled notebook lying open beside it with a pen across its blank page, black cables over the plank floor to an open window, outside a pale grey box van with a canvas roof and spoked wheels, and standing at the side table, between the switch box and the stand, the woman, a living figure in the scene and the only person in the room, a slight woman of forty-six with ash-blond hair streaked with grey and loosely pinned up, in a plain dark wool dress under a long white cotton apron, full height and in proportion to the stand and the table, one hand on a black knob of the switch box, her face turned toward the camera in three-quarter view.

Wer
Marie Curie, geboren als Maria Skłodowska (1867–1934), war Physikerin und Chemikerin und eine der Begründerinnen der Erforschung der Radioaktivität. Geboren am 7. November 1867 in Warschau, ging sie 1891 zum Studium nach Paris und heiratete 1895 den Physiker Pierre Curie. 1898 zeigte sie, dass die Strahlung des Urans eine allgemeine Erscheinung ist; im selben Jahr entdeckte sie mit ihrem Mann das Polonium und, gemeinsam mit Gustave Bémont, das Radium. 1903 erhielt sie zusammen mit Pierre Curie und Henri Becquerel den Nobelpreis für Physik, 1911 allein den für Chemie. Nach Pierres Unfalltod 1906 übernahm sie als erste Frau seine Professur für Allgemeine Physik an der Sorbonne. Die Presse folgte ihr durch Ruhm und Skandal, etwa als ihre Beziehung zu dem Physiker Paul Langevin bekannt wurde. Mit Röntgenstrahlen hatte ihre Forschung nichts zu tun; im Ersten Weltkrieg wurde sie trotzdem eine der Organisatorinnen der Röntgendiagnostik für Verwundete. Die Strahlung, die sie berühmt machte, hat sie vermutlich krank gemacht: Sie starb am 4. Juli 1934 an einer Blutarmut, bei der das Knochenmark nach Ansicht des Sanatoriumsleiters wahrscheinlich durch lange Strahlenbelastung geschädigt war.
Der Moment
Am 1. November 1914 begann Marie Curie ein Register. Von diesem Tag bis zum 13. Oktober 1918 trug sie in drei großen Bänden jeden Verwundeten ein, den sie selbst röntgte, mit Datum, Namen, Regiment, Ort der Verletzung und Art der Untersuchung, am Ende 948 Verwundete. Seit August hatte sie für das Rote Kreuz und den Patronage national des blessés Röntgengeräte zusammengetragen und Wagen ausrüsten lassen: einen Lieferwagen mit einer Dynamo am Trittbrett, die vom Motor angetrieben wurde, dazu Kisten für Röhren, Tisch, Stativ und Fotoplatten. Wie ein Einsatz ablief, hat sie selbst beschrieben: Man trägt die Geräte in den Saal, verbindet sie mit einem Kabel mit der Dynamo am Wagen, 25 Meter genügen in der Regel, und ein Helfer schreibt alle Befunde auf. Das Bild zeigt einen solchen Raum: das Stativ mit der Glasröhre, das Kabel zum Fenster, draußen den Wagen, Curie am Schaltkasten und neben ihr das aufgeschlagene Register.
Die Kehrseite
Die Legende ist größer als die Arbeit und verdeckt sie. Curie hat den Röntgenwagen nicht erfunden und ihn 1914 nicht selbst gesteuert; die Namen ihrer Fahrer stehen in ihren Registern. Sie rüstete 18 Wagen aus, nicht 200, und den Namen „petites Curie“ für die Wagen erfand ihre Tochter Ève erst 1937 in ihrer Biografie. Die oft genannten 1,1 Millionen Röntgenuntersuchungen sind Curies Schätzung für den ganzen französischen Sanitätsdienst in den Jahren 1917 und 1918; selbst untersuchte sie 948 Verwundete. Die Historikerin Natalie Pigeard-Micault vom Musée Curie schreibt, solche Überhöhung mache aus einem Vorbild eine unerreichbare Ausnahme und missachte die Rolle der vielen anderen, die dieselbe Arbeit taten.

Was die Quellen offenlassen: Wo Curie am 1. November 1914 röntgte, ist nicht überliefert; der Raum nördlich von Paris und der graue Tag sind gesetzt, ebenso, dass sie allein ist: Zu einem Wagen gehörten Arzt, Röntgenassistent und Fahrer. Das Heft dieser Wochen (BnF NAF 18480) ist nicht beschrieben; der marmorierte Einband folgt dem Folgeband NAF 18481. Die Kleidung ist angenommen. Ihr Gesicht folgt dem Nobelporträt von 1911.

Zum Weiterlesen

Quellen