1924 · String Galvanometer EEG · Werk 1011 von 1.871
A low basement laboratory of a psychiatric clinic in Jena on a summer Sunday, ochre-painted brick walls, a small high barred window letting in warm sunlight, on a heavy oak table a compact string galvanometer, a squat plain polished brass housing between two dark iron magnet blocks with a short brass microscope tube, beside it an arc lamp in a black iron hood and a wooden recording camera with a hand crank, glossy dark photographic paper curling from its slot, on a white porcelain dish two finger-long clay tube electrodes on thin silk-wound cables trailing over the table edge, a hand in a rolled white shirt sleeve turning the crank.
Wer
Hans Berger (1873–1941) war Psychiater und Neurologe in Jena und zeichnete als Erster die elektrischen Ströme des menschlichen Gehirns auf, das Elektrönzephalogramm, kurz EEG. Geboren am 21. Mai 1873 in Neuses bei Coburg, studierte er nach einem schweren Unfall beim Militär Medizin und verbrachte seine ganze akademische Laufbahn an der Psychiatrischen Klinik in Jena, ab 1919 als Professor und Direktor, 1927/28 auch als Rektor der Universität. Angetrieben war er von der Idee einer „psychischen Energie“, die er messbar machen wollte; noch 1939 plante er Versuche zur Gedankenübertragung. 1929 veröffentlichte er das erste EEG eines Menschen. Breit aufgegriffen wurde das Verfahren erst, als der britische Physiologe Edgar Douglas Adrian seine Befunde 1934 bestätigte. Heute dient das EEG unter anderem der Diagnose von Epilepsie und ist das wichtigste Verfahren zur Feststellung des Hirntods. Im Nationalsozialismus war Berger kein Parteimitglied, aber förderndes Mitglied der SS. Er befürwortete die Rassenhygiene des Regimes und war als Beisitzer und Gutachter an Erbgesundheitsgerichten mitverantwortlich für zahlreiche Zwangssterilisationen, auch selbst beantragte. Am 1. Juni 1941 nahm er sich in Jena das Leben.
Der Moment
Am Sonntag, dem 6. Juli 1924, sah Hans Berger zum ersten Mal einen Strom, der aus dem Gehirn eines Menschen kam. Sonntags forschte er meist, weil dann die störenden elektrischen Geräte im Haus abgeschaltet waren; gearbeitet wurde im Keller der Psychiatrischen Klinik in Jena. Sein Proband war ein 17-jähriger Junge, dem bei einer Operation ein Stück Schädelknochen entfernt worden war. Um die Narbe setzte Berger zwei Tonelektroden im Abstand von vier Zentimetern an und verband sie mit einem kleinen Saitengalvanometer der Firma Edelmann. Erst nach mehreren Tagen und vielen Änderungen am Aufbau zeigte der Faden einen schwachen Strom. Aufgezeichnet wurde auf schmale Streifen Fotopapier, die danach in der Dunkelkammer entwickelt werden mussten; am Gerät saß eine Kurbel. Das Bild zeigt Berger von hinten an dieser Kurbel; die Kabel laufen über die Tischkante zu dem Jungen, der nicht im Bild ist.
Die Kehrseite
Der erste Tag lieferte nur einen schwachen Ausschlag, und Berger traute seinem Befund lange nicht: Fünf Jahre vergingen bis zur ersten Veröffentlichung 1929. Seine wichtigsten Versuchspersonen blieben neben wenigen Kranken die eigene Familie. Derselbe Arzt, der dem Gehirn bei der Arbeit zusehen wollte, half ein Jahrzehnt später, Menschen wegen angeblicher Erbkrankheiten unfruchtbar machen zu lassen, und nahm noch kurz vor seinem Tod dankbar das Angebot an, wieder am Erbgesundheitsgericht mitzuwirken. Das Universitätsklinikum Jena hat den Namen „Hans-Berger-Klinik“, den seine Neurologie seit den 1950er Jahren trug, inzwischen abgelegt.
Was die Quellen offenlassen: Ein Foto Bergers, dessen Gemeinfreiheit belegt ist, wurde nicht gefunden; deshalb steht er im Bild von hinten. Was er an diesem Tag sah, geben die Quellen verschieden an: einen schwachen Strom nach einem Fachaufsatz von 2023, schon einen Rhythmus von etwa 10 Hz nach der Fachgesellschaft DGKN. Ein Gerät von 1924 ist nicht sicher erhalten; Raum, Tisch und Kleidung sind typisiert.