The Lushan Letter

1959 · The Revolutionaries · Werk 1040 von 1.871

A diptych in one square frame, divided by a single vertical seam. left half: a plain room in a stone hill-station villa at Guling on a summer morning, rough undressed stone walls, a timber floor, tall casement windows with green-painted frames filling the left wall and giving onto mist and pine outside, a plain ceiling with one bare bulb, rattan armchairs, seven Chinese officials in their fifties in open-necked white cotton shirts with sleeveless knitted wool waistcoats over them, seated close around a plain wooden table and seen from behind, and at the far head of the table facing the camera the man, a bare-headed Chinese man of about sixty with a broad plain face and short cropped hair, dressed as the others in an open-necked white cotton shirt and a sleeveless knitted wool waistcoat, his face fully visible, a small stack of loose duplicated sheets lying on the table in front of him. right half: a terraced hillside at the same hour, rice standing in the paddies, and at the edge of the terrace a crude abandoned backyard furnace, a squat tapering cylinder of rough red brick on a block-stone footing, about twice the height of a man and wide at the base, its top broken open and weathered, a charging opening and tap hole low on one side, and spilling from its foot a wide grey heap of fused slag and clinker, cracked and useless, spreading over the terrace edge into the field, three figures small and distant working in the paddy beyond. warm interior light on the left against cold overcast daylight on the right.

Wer
Mao Zedong (1893–1976) führte die Kommunistische Partei Chinas an die Macht und rief am 1. Oktober 1949 in Peking die Volksrepublik aus. Mit dem „Großen Sprung nach vorn“ wollte er ab 1958 das bäürliche Land in kürzester Zeit zur Industriemacht machen; in Dörfern und Hinterhöfen wurden primitive Hochöfen gebaut, Töpfe und Werkzeuge eingeschmolzen. Es folgte eine Hungersnot, in der bis 1962 nach Schätzungen auf Grundlage der Volkszählungen 15 bis 32 Millionen Menschen starben, nach dem Historiker Frank Dikötter mindestens 45 Millionen. 1966 rief Mao die Kulturrevolution aus, die China ein Jahrzehnt lang in Terror und Chaos stürzte. Sein Leichnam liegt bis heute in einem Mausoleum auf dem Tiananmen-Platz. Das erkennbare Gesicht im Bild gehört aber Peng Dehuai (1898–1974), dem Verfasser des Briefes: Bauernsohn aus Hunan, General der Roten Armee, ab 1950 Befehlshaber der chinesischen Truppen im Koreakrieg, ab 1954 Verteidigungsminister, 1955 Marschall. Weil er Mao 1959 widersprach, wurde er gestürzt; in der Kulturrevolution verhaftet und misshandelt, starb er 1974 in Peking. 1978 hob die Partei das Urteil über ihn auf.
Der Moment
Im Juli 1959 tagte die Parteiführung im Bergort Guling am Lushan in der Provinz Jiangxi. Beraten wurde in Gruppen; Peng Dehuai saß in der Nordwest-Gruppe und hatte dort mehrmals gesprochen. Am Abend des 13. Juli schrieb er Mao einen persönlichen Brief und ließ ihn am nächsten Morgen überbringen. Er lobte die Erfolge des Großen Sprungs, benannte aber auch Fehler, darunter die Stahlkampagne: Es seien zu viele kleine Hochöfen gebaut worden, unter Verschwendung von Material, Geld und Arbeitskraft, ein ziemlich großer Verlust. Am 16. Juli setzte Mao einen Titel darüber, „Genosse Peng Dehuais Meinungsschrift“, und ließ den Brief für alle Teilnehmer vervielfältigen. Das Bild zeigt beides nebeneinander: links Peng am Kopf des Tisches, vor ihm der Stapel der Abzüge, rechts einen verlassenen Hinterhofhochofen am Rand eines Reisfelds, um seinen Fuß nutzlose Schlacke.
Die Kehrseite
Den Titel bekam der Brief nicht von seinem Verfasser, sondern von seinem Empfänger. Peng hatte ihn nur für Mao geschrieben und bat, die verteilten Abzüge zurückzunehmen, vergeblich. Am 23. Juli erklärte Mao den Brief zu einem parteifeindlichen Programm. Am 16. August beschloss das Zentralkomitee eine Resolution gegen die „parteifeindliche Gruppe“ um Peng, am 17. September verlor er das Amt des Verteidigungsministers. Wer sich wie er kritisch geäußert hatte, wurde nun verfolgt. Die Hungersnot dauerte bis 1962.

Was die Quellen offenlassen: Von den Beratungsräumen des Juli 1959 ist kein Bild und keine Beschreibung bekannt; der Raum folgt der Bauweise der Villen in Guling und ist typisiert, ebenso Kleidung und Sitzordnung. Ob die Teilnehmer den Brief am 16. oder am 17. Juli erhielten, geben die Quellen unterschiedlich an. Der Hochofen steht für viele, nicht für einen bestimmten. Pengs Gesicht folgt einem Foto von 1950.

Zum Weiterlesen

Quellen