1885 · Attenuated Rabies Vaccine · Werk 1042 von 1.871
A chemistry laboratory in Paris on a summer evening, a brass petroleum lamp on a long oak bench, the man, a man of sixty-two, full grey beard, in a dark frock coat, holding up to the lamp a squat round glass bottle twelve centimetres high with two short straight necks plugged with cotton wool, inside it a thin pale dried strip of tissue hanging from a thread, five more plain unmarked bottles, a porcelain mortar, at the far end a physician in a black coat seen from directly behind, over a small glass syringe on a white cloth.
Wer
Louis Pasteur (1822–1895) war Chemiker, kein Arzt, und wurde doch zu einem der Väter der modernen Medizin. Geboren in Dole im französischen Jura in einer Familie von Gerbern, studierte er an der École normale supérieure in Paris und kehrte 1857 als Direktor der naturwissenschaftlichen Studien dorthin zurück. Er zeigte, dass die Fähigkeit mancher Kristalle und Lösungen, polarisiertes Licht zu drehen, oft mit der Form der Kristalle zusammenhängt, und dass Gärung das Werk lebender Mikroorganismen ist, und er stritt gegen die Lehre von der Urzeugung. Das nach ihm benannte Verfahren, das Pasteurisieren, ließ er 1865 gegen die „Krankheiten“ des Weins patentieren. 1868 lähmte ein Schlaganfall seine linke Körperseite teilweise. Danach entwickelte er Impfstoffe aus abgeschwächten Erregern: gegen die Hühnercholera, den Milzbrand und die Tollwut. Mit dem Geld einer internationalen Spendensammlung wurde 1888 das Institut Pasteur in Paris eröffnet. Dort wohnte er bis 1895; er starb am 28. September 1895 in Marnes-la-Coquette. Die Tollwut ist bis heute fast immer tödlich, sobald die ersten Zeichen auftreten; eine rasche Impfung nach dem Biss verhindert den Tod.
Der Moment
Am Morgen des 6. Juli 1885, einem Montag, kam der neunjährige Joseph Meister aus dem Elsass mit seiner Mutter in Pasteurs Laboratorium an der École normale supérieure. Zwei Tage zuvor hatte ihn ein tollwütiger Hund vierzehnmal gebissen. Pasteur hatte Hunde mit einem Impfstoff aus dem Rückenmark tollwütiger Kaninchen geschützt: Stücke von wenigen Zentimetern hingen in Flaschen an trockener Luft und verloren Tag für Tag an Kraft. Weil er kein Arzt war, zog er den Neurologen Vulpian und den Arzt Grancher hinzu; Grancher übernahm die Behandlung. Am Abend bekam das Kind die erste Einspritzung, mit Mark, das seit dem 21. Juni getrocknet war, fünfzehn Tage lang. In den folgenden zehn Tagen folgten Einspritzungen mit immer frischerem, also stärkerem Mark. Joseph Meister erkrankte nie. Das Bild zeigt Pasteur an diesem Abend, wie er eine der Trocknungsflaschen gegen das Lampenlicht hält; am anderen Ende des Tisches steht ein Arzt, von hinten gesehen, über einer kleinen Spritze.
Die Kehrseite
Öffentlich hieß es, Pasteur habe den Jungen erst behandelt, nachdem er 50 Hunde „ohne einen einzigen Fehlschlag“ gegen Tollwut gefeit und auch viele gebissene Hunde erfolgreich behandelt habe. Seine Laborhefte, die die Familie lange unter Verschluss hielt, erzählen es anders. Der Historiker Gerald Geison wertete sie 1995 aus: Bei Meisters erster Spritze hatten erst zehn ungebissene Hunde mehr als 30 Tage zuvor die erste von mehreren Einspritzungen erhalten, und kein gebissener Hund war so behandelt worden wie der Junge. Émile Roux, der einzige Mediziner, der den wahren Stand kannte, wollte mit dem Fall nichts zu tun haben. Das Urteil bleibt umstritten: M. F. Perutz hielt 1997 dagegen, der Hund sei eindeutig tollwütig gewesen, und es nicht zu versuchen, wäre zaghaft und herzlos gewesen.
Was die Quellen offenlassen: Wie Pasteurs Laboratorium 1885 eingerichtet war, ist nicht beschrieben; Raum, Lampe und Möbel sind typisiert, ebenso Form und Größe der Flaschen. Belegt ist nur, dass die Markstücke in Flaschen an trockener Luft hingen. Die Uhrzeit ist nur als Abend überliefert, die Zahl der Einspritzungen wird verschieden angegeben. Ob Pasteur beim ersten Einstich im Raum war, ist nicht sicher. Das Kind fehlt im Bild mit Absicht.