The Cement Hall

1915 · Tetanus Antitoxin Horses · Werk 1049 von 1.871

A long bare hall of red brick and grey concrete at an old brickworks near Marburg on a June morning, newly fitted out as a stable, sunlight through high windows of small panes, a row of wooden horse stalls, brown horses, fresh straw on the floor, the man, a man of sixty-one, bald head, trimmed grey beard, in a dark overcoat, one hand on the neck of a brown horse, alone in the aisle, on a wooden table a crate of corked glass bottles of clear pale yellow liquid, all plain and unmarked.

Wer
Emil von Behring (1854–1917) begründete mit der Serumtherapie eine neue Art, Infektionskrankheiten zu behandeln. Geboren am 15. März 1854 in Hansdorf in Westpreußen, heute Ławice in Polen, war er das fünfte von dreizehn Kindern eines Dorfschullehrers. Nur ein Stipendium der Militärärztlichen Akademie in Berlin ermöglichte ihm das Studium; dafür diente er als Militärarzt. 1888 kam er als Assistent zu Robert Koch. Mit Shibasaburo Kitasato und seinem Freund Erich Wernicke entwickelte er ein Heilmittel gegen die Diphtherie: Abwehrstoffe aus dem Blutserum immunisierter Tiere werden Kranken eingespritzt. In Preußen waren von 1875 bis 1887 jährlich im Mittel etwa 45.000 Menschen an Diphtherie gestorben, zu 98 Prozent Kinder und Jugendliche; das Serum halbierte die Kindersterblichkeit an der Krankheit. Ab 1894 stellten die Farbwerke Höchst es her, Behring bekam die Hälfte des Gewinns. 1901 erhielt er den ersten Nobelpreis für Medizin und wurde geadelt, 1904 gründete er in Marburg sein eigenes Werk. Von 1907 bis 1910 ließ er sich wegen schwerer Depressionen in einem Sanatorium behandeln. Man nannte ihn „Retter der Kinder“ und im Ersten Weltkrieg „Retter der Soldaten“. Er starb am 31. März 1917 in Marburg.
Der Moment
Mit dem Ersten Weltkrieg stieg der Bedarf an Tetanusserum gegen den Wundstarrkrampf verwundeter Soldaten stark an, und Engpässe bei Pferden, Tierärzten und Packerinnen bestimmten das erste Kriegsjahr in Behrings Marburger Werk. Gewonnen wurde das Serum aus dem Blut immunisierter Pferde. Im März 1915 produzierten die Behringwerke zwei Millionen Dosen Tetanusserum für das deutsche Heer. Am 24. Mai 1915 zählte der Aufsichtsrat 79 Serumpferde, 62 für Tetanus, elf für Diphtherie, drei für Ruhr; unter den 47 Beschäftigten waren acht Pferdewärter und 25 Packerinnen. Am Dienstag, dem 1. Juni 1915, begann der Mietvertrag für einen neuen Stall: die Zementhalle der alten Ziegelei im Hinkelbachtal bei Marbach, die Behring 1913 gekauft hatte. Die Halle sollte Serumpferde aufnehmen und einen Raum für die Wärter, auf dem Heuboden war Platz für Heu. Das Bild stellt Behring, 61 Jahre alt und wissenschaftlicher Leiter des Werks, an diesem Morgen in die Halle, eine Hand am Hals eines Pferdes, auf dem Tisch eine Kiste mit Serumflaschen.
Die Kehrseite
Die Halle gehörte Behring selbst: Der Mietvertrag lief zwischen ihm und den Behringwerken. Das Werk, das seinen Namen trug, verdiente am Krieg sehr gut. Im März 1917 verzeichnete der Aufsichtsrat 850.000 Mark Umsatz, davon 709.000 Mark mit Tetanusserum, und 450.000 Mark Gewinn. Seine Geschäftsbriefe zeigen nach der Marburger Behring-Forschung sein „Streben nach Geld, Macht und Einflussnahme“; Partner fühlten sich behandelt „wie die dummen Jungen“. Am 13. April 1915 schrieb ihm der Bremer Kaufmann Carl Cremer aus dem Aufsichtsrat, er könne einem Mann, der fast nur Erfolge aufzuweisen habe, nachfühlen, dass er zum Autokraten werde. Als sein früherer Mitarbeiter Erich Wernicke im Krieg die Professur verlor und ihn um Geld bat, lehnte Behring ab.

Was die Quellen offenlassen: Dass Behring am 1. Juni 1915 im Stall stand, ist nicht belegt; der Tag ist der Mietbeginn. Ein undatiertes Foto aus seinem Archiv zeigt ihn bei der Überwachung der Blutentnahme an einem Serumpferd. Wie die Zementhalle aussah, ist nicht beschrieben; Halle, Stände, Fellfarbe und Flaschen sind typisiert. Die Angabe, die Halle sei schon im März 1915 Stall gewesen, widerspricht der Chronologie derselben Marburger Seite; das Werk folgt der Chronologie.

Zum Weiterlesen

Quellen