1964 · Hydrogel Soft Contact Lenses · Werk 1067 von 1.871
The back room of an optician's shop in Prague on an early spring afternoon, low sun through a tall window, on a white-tiled table a flat square cardboard box with its lid open, the lid lined with a yellow and white chain pattern, in its compartments five slim glass ampoules nine centimetres long filled with clear liquid, each wrapped in a plain white paper band, one ampoule broken open beside the box, a tiny clear soft contact lens on a fingertip of a hand in a white coat sleeve, a shallow glass dish of saline and a small steel ampoule file, a red and cream tram soft beyond the window.
Wofür es benutzt wurde
Otto Wichterle goss in Prag Linsen aus quellfähigem Hydrogel, die im Auge getragen werden sollten. Nach der in Contact Lens Spectrum abgedruckten Darstellung baute er am Weihnachtsabend 1961 aus Glasformen, einem Metallbaukasten und dem Dynamo vom Fahrrad seines Sohnes eine Gießvorrichtung und goss am Weihnachtsnachmittag die ersten 4 Linsen; in den ersten 4 Monaten des Jahres 1962 entstanden 5.500 Linsen. Die Zeitschrift Hindsight nennt rund 5.200 Linsen, die er mit seiner Frau Linda, einer Ärztin, in 5 Monaten herstellte. Linsen und Verfahren dienten danach als Verhandlungsgegenstand: der tschechische Rundfunk schreibt, Wichterle habe seine Erfindung 1964 einem ausländischen Lizenzpartner vorgestellt; das Archiv des Národní technické muzeum belegt die Unterzeichnung des Lizenzvertrags am 12. März 1965.
Was daran neu war
Die Optica-Biographie schreibt, Wichterle habe 1961 mit einem Kinderspielzeug und Haushaltsgegenständen die ersten weichen Kontaktlinsen entwickelt; kennzeichnend war nach Contact Lens Spectrum das Gießen in offenen, rotierenden Formen, aus dem binnen weniger Tage eine Vorrichtung mit 15 Achsen wurde. Der Widerhaken liegt in der Verwertung: der tschechische Rundfunk urteilt, die Tschechoslowakei habe ihre Rechte für einen Bruchteil ihres Wertes abgegeben, und das Findbuch des Národní technické muzeum hält fest, dass Wichterle eine einmalige Summe von 100.000 Dollar vorschlug, während Drahoslav Lím das 20-fache als Anzahlung verlangte. Den Staatspreis erhielten am 29. April 1967 nur Lím und Wichterle. 1970 wurde Wichterle nach Angabe von Optica erneut aus seiner Stellung entlassen; erst 1990 wurde er Präsident der Akademie.
Was die Quellen offenlassen: „Five Ampoules" ist nicht belegt: keine der geprüften Quellen — Czech Radio, Contact Lens Spectrum, Hindsight, Optica, Findbuch des Národní technické muzeum — erwähnt Ampullen. Für 1964 nennen die Quellen nur das erste ernsthafte Auslandsinteresse und die Vorstellung bei einem Lizenzpartner; der Vertrag datiert auf 1965. Die Stückzahlen weichen ab: 5.500 in 4 Monaten gegen rund 5.200 in 5 Monaten. Eine erste Gellinse trug Wichterle laut Contact Lens Spectrum schon im April 1957.