1968 · Myoelectric Elbow Prosthesis · Werk 1069 von 1.871
A cluttered engineering laboratory in Cambridge in Massachusetts late on a March night, flat light from fluorescent tubes, on a workbench an opened forearm shell of finely ribbed flesh-coloured plastic with a metal ring at its end, beside it an open frame of brushed aluminium with two parallel rails, cross bolts and two small electric motors, a black chassis crowded with green circuit boards, small gears and capacitors, every component plain and unmarked, an amber translucent battery pack, loose wires in red, yellow and blue, a white cable with a red plug, two hands holding a small screwdriver at one motor, an oscilloscope with a green line soft behind.
Wofür es benutzt wurde
Der Boston Elbow, ein myoelektrisch gesteuerter Ellbogen für Oberarmamputierte, entstand mit Geld der Liberty Mutual Insurance Company in Boston; der Orthopäde Melvin Glimcher behandelte dort seit den späten 1950er Jahren Amputierte aus Arbeitsunfällen, und die Versicherung hoffte nach Darstellung von Harvard Medicine, das Ergebnis werde verletzten Versicherten die Rückkehr in die Arbeit erleichtern. Entwickelt wurde der Ellbogen mit Robert W. Mann am MIT und mit dem Massachusetts General Hospital, wo 1968 der erste Prototyp eines myoelektrischen Oberarmersatzes gezeigt wurde. Gebeugt wurde er über Hautelektroden auf Bizeps oder Trizeps des Stumpfes, mit einer Rückführung, die die Geschwindigkeit unter wechselnder Last konstant hielt. 1969/70 prüfte das Committee on Prosthetics Research and Development das Gerät am Patienten: von 8 ausgegebenen Einheiten wurden 5 bewertet, und 4 Träger bevorzugten danach ihren herkömmlichen Ellbogen, 1 den Boston Elbow.
Was daran neu war
Kennzeichnend war die Steuerung aus dem abgeleiteten Muskelsignal der Stumpfmuskulatur statt über Zugbandagen; Ralph Alters Arbeit erschien 1966 als MIT Technical Report 446 und kam nach Darstellung von IEEE Spectrum zu dem Schluss, dass EMG-Signale die Prothese steuern können. Als Prinzip war das nicht neu: Clinical Prosthetics & Orthotics führt die sowjetische myoelektrische Hand aus dem Moskauer Zentralinstitut auf 1958 zurück, und das Rehabilitation Institute of Montreal kaufte 1964 Herstellungsrechte und 10 Prototypen und versorgte damit 12 Unterarm-Amputierte. Die Moskauer Hand beherrschte 2 Bewegungen, Öffnen und Schließen; der Boston Elbow übertrug das Verfahren auf das Ellbogengelenk. Der Preis zeigte sich in den Zahlen: in der Prüfung aller 3 Elektro-Ellbogen behielten laut CPO 1978 von 20 Versuchspersonen nur 3 das elektrische Gerät, und von der 1973 marktfähigen Fassung wurden nach Harvard Medicine weniger als 1.000 Stück verkauft.
Was die Quellen offenlassen: Firmenunterlagen von Liberty Mutual waren nicht zugänglich; der Text stützt sich auf Harvard Medicine, IEEE Spectrum, den Prüfbericht in Artificial Limbs 1971 und die Übersicht in Clinical Prosthetics & Orthotics 1978. Die Vorstellung der Moskauer Hand datieren die Quellen verschieden: 1958 (CPO 1978), 1960 (IEEE Spectrum). Dass sie 1958 in Brüssel gezeigt wurde, bestätigt keine der gefundenen Quellen.