Trabajo Voluntario

1961 · The Revolutionaries · Werk 1080 von 1.871

A voluntary work brigade on a school building site in Havana on a morning in early summer, a chain of about fifteen men passing concrete blocks hand to hand from a stack at the kerb to the half-built wall of grey concrete blocks, the wall only shoulder high, every man in the chain carrying a block, the men bare-headed or in straw hats, in a variety of plain work shirts, white, pale blue, checked, faded khaki, with rolled sleeves, timber scaffolding lashed at the joints, sand and gravel heaped on the pavement, palms and a low apartment terrace behind, a plain rendered wall to the left with a Cuban flag hanging flat against it, the chain seen from the side and slightly below with the stack of blocks at the left edge of the frame and the wall at the right edge, the third man from the left in the chain is the man, the same size and the same distance from the camera as the men on either side of him, in a plain olive work shirt and trousers and the only black beret in the chain, dark wavy hair reaching his collar below the beret, a concrete block held in both hands as the others hold theirs, his face turned toward the camera as he passes the block on, low morning sun.

Wer
Ernesto „Che“ Guevara (1928–1967) war ein argentinischer Arzt, der zu einem der Anführer der kubanischen Revolution und zur Ikone der radikalen Linken wurde. 1928 in Rosario geboren, studierte er in Buenos Aires Medizin, reiste durch Südamerika und lernte in Mexiko Fidel Castro kennen. Ende 1956 landete er mit dessen Truppe auf Kuba; von 83 Mann blieben 17. Nach zwei Jahren Gürillakrieg zog er am 2. Januar 1959 in Havanna ein. In den ersten Monaten danach befehligte er die Festung La Cabaña, während Revolutionsgerichte Anhänger des gestürzten Diktators Batista als Kriegsverbrecher verurteilten und erschießen ließen. Danach leitete er die Nationalbank, ab Februar 1961 das neue Industrieministerium. Vor den Vereinten Nationen sagte er 1964, Kuba habe Menschen hingerichtet, tü es und werde es weiter tun, solange es nötig sei. 1965 verließ er Kuba, führte Gürillakriege im Kongo und in Bolivien und scheiterte beide Male. Am 8. Oktober 1967 nahmen ihn bolivianische Soldaten gefangen, am Tag darauf wurde er auf Befehl der Armeeführung erschossen. Alberto Kordas Porträtfoto machte ihn zum weltweit verbreiteten Bild.
Der Moment
Am Sonntag, dem 4. Juni 1961, war Guevara seit gut drei Monaten Industrieminister. An der Ecke der Straßen 13 und 4 im Havanner Stadtteil Vedado hatten junge Leute aus vielen Ländern, Mitglieder des Internationalen Studentenbunds, drei Tage lang unbezahlt an einer Schule gebaut, als Zeichen ihrer Solidarität mit der Revolution. Der Minister hielt die Abschlussrede; zuvor arbeitete er mehrere Stunden mit ihnen. Statt einer förmlichen Ansprache bot er an, ihre Fragen zu beantworten, auf die sie mitten in der Arbeit und wegen der Sprachbarriere wohl keine Antwort gefunden hätten. Diese unbezahlte Arbeit, das trabajo voluntario, hatte er selbst zum Programm gemacht; seinen ersten Einsatz leistete er am 22. November 1959 beim Bau einer Schulstadt für rund 20.000 Kinder der Sierra Maestra. Das Bild zeigt eine Kette von Männern, die Betonsteine zur halbhohen Mauer weiterreichen; der dritte von links, mit der schwarzen Baskenmütze, ist Guevara.
Die Kehrseite
Ein Minister trägt Steine, und genau das war der Zweck. Der freiwillige Einsatz sei nicht nach seinem wirtschaftlichen Nutzen zu bemessen, sagte Guevara, er entwickle vor allem das Bewusstsein der Arbeiter. Im April 1961 hatte er die „gefährlichen Spezialisierungen“ unterentwickelter, abhängiger Länder beklagt. Kubas Zucker ging nun an andere Kunden: Von 1959 bis 1961/62 stiegen die Ausfuhren in den sowjetisch-chinesischen Block nach einer Rechnung des US-Außenministeriums um rund 3,4 Millionen Tonnen, die auf die Märkte der „freien Welt“ sanken um 3,1 Millionen. Der Philosoph und Guevara-Biograf Stephan Lahrem nennt die von Guevara verantwortete Wirtschaftspolitik ein einziges Fiasko.

Was die Quellen offenlassen: Wie die Baustelle an der Ecke 13 und 4 aussah, zu welcher Tageszeit Guevara dort war, was die Freiwilligen trugen und ob eine Fahne hing, ist nicht überliefert; Baustelle, Kette und Flagge sind typisiert. Die Angaben zum Tag stammen aus kubanischen Staatsquellen. Wie viele Todesurteile in La Cabaña auf Guevara zurückgehen, ist umstritten. Sein Gesicht folgt einem Foto Alberto Kordas von 1961.

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Quellen