The stage of a large theatre in Prague on a January afternoon before a rehearsal, the auditorium in deep shadow, an office set of painted canvas flats in cold grey and pale green, tall window frames onto a painted backdrop of factory chimneys, two headless tailor's dummies in plain grey-blue linen work tunics, one bare work lamp throwing hard light across the boards, and standing alone beside the dummies the man, a slim Czech man of thirty, dark hair brushed back from a high forehead, clean-shaven, in a dark wool three-piece suit and dark patterned tie, his face toward the camera in three-quarter view.
Wer
Karel Čapek (1890–1938) war ein tschechischer Schriftsteller, Dramatiker und Journalist, und er gab der Welt das Wort „Roboter“. Geboren am 9. Januar 1890 in Malé Svatoňovice in Böhmen als Sohn eines Landarztes, litt er sein Leben lang an einer Krankheit der Wirbelsäule. Er studierte Philosophie in Prag, Berlin und Paris und ließ sich 1917 in Prag als Schriftsteller und Journalist nieder. Vieles schrieb er zusammen mit seinem Bruder Josef, einem Maler. In Stücken und Romanen fragte er, wozu Wissenschaft und Technik den Menschen verführen: in „R.U.R.“ (1920) und im Roman „Der Krieg mit den Molchen“ (1936). Er war mit Präsident Tomáš Garrigue Masaryk befreundet, zeichnete dessen „Gespräche“ auf und stritt für die Demokratie. Gegen die Bedrohung durch Hitlerdeutschland schrieb er „Die weiße Krankheit“ (1937) und „Die Mutter“ (1938). Mehrmals wurde er für den Literaturnobelpreis vorgeschlagen. Er starb am 25. Dezember 1938, wenige Monate nach dem Münchner Abkommen, an einer Lungenentzündung. Josef wurde am 1. September 1939 von der Gestapo verhaftet und starb im April 1945 im KZ Bergen-Belsen.
Der Moment
Am 25. Januar 1921 kam „R.U.R.“ im Prager Nationaltheater heraus. Čapek hatte das Stück Anfang 1920 für diese Bühne zu schreiben begonnen; im November 1920 erschien es als Buch bei Aventinum, mit einem Holzschnitt-Umschlag von Josef. Es spielt in der Fabrik der Firma Rossum, die künstliche Arbeiter herstellt. Für sie suchte Čapek ein Wort. Er dachte zuerst an „laboři“ und fragte seinen Bruder. „Tak jim řekni roboti“, dann nenn sie doch Roboter, murmelte Josef, den Pinsel im Mund, und malte weiter. Weil die Prager Premiere verschoben wurde und ein Laienverein in Hradec Králové davon nichts erfuhr, spielte dieser das Stück schon am 2. Januar 1921 zuerst. In Prag blieb es sechs Jahre auf dem Spielplan, Karten gingen auf dem Schwarzmarkt. Das Bild zeigt Čapek an einem Januarnachmittag allein auf der Bühne vor einer Probe. Die beiden Schneiderpuppen in Arbeitskitteln stehen für die Roboter des Stücks.
Die Kehrseite
Čapeks Roboter waren keine Maschinen, sondern industriell erzeugte Wesen aus lebendem Gewebe; heute würde man sie eher Androiden nennen. Das Wort ging an etwas anderes über, als er beschrieben hatte. Im Stück vernichten die Geschöpfe ihre Schöpfer. Die linke Avantgarde in der Tschechoslowakei warf ihm vor, er habe sich nur eines zugkräftigen Themas bemächtigt, raffinierten Kitsch für ein internationales Publikum. Čapek selbst mochte nach dem Slawisten William E. Harkins gerade dieses Stück am wenigsten von seinen Dramen: „Das hätte jeder schreiben können.“
Was die Quellen offenlassen: Ob Čapek bei der Premiere am 25. Januar 1921 oder bei Proben im Theater war, ist nicht belegt; das Bild behauptet keinen bestimmten Tag. Bühnenbild und Robotergewänder von 1921 wurden nicht eingesehen, beides ist im Bild typisiert, die Puppen ersetzen die Darsteller. Das Gesicht folgt einem anonymen Foto von 1927, sechs Jahre nach der Premiere.