The Pump Handle

1967 · Television Game Prototype · Werk 1158 von 1.871

A small laboratory in low June sun, a large colour television in a plain walnut cabinet, two small bright white squares of light on its dark screen, before it on a steel bench a long open aluminium chassis with green circuit boards, a wooden pump handle on a steel rod at one end, beside the set the man, a slim man of forty-five, receding dark hair, dark horn-rimmed glasses, white shirt, narrow dark tie, one hand on the pump handle, his face in three-quarter view toward the screen, two men in dark suits in the foreground, backs fully to the camera, heads turned fully away.

Wer
Ralph H. Baer (1922–2014) war Fernsehingenieur und Erfinder; er brachte das Spiel auf den gewöhnlichen Fernseher im Wohnzimmer. Geboren am 8. März 1922 in Pirmasens in eine jüdische Familie, floh er 1938 mit den Eltern vor den Nationalsozialisten nach New York, wo sich die Familie in der Bronx niederließ. Er lernte Radiotechnik, diente im Zweiten Weltkrieg im Militärnachrichtendienst der US-Armee und schloss danach am American Television Institute of Technology in Chicago ein Studium der Fernsehtechnik ab. Ab 1956 arbeitete er bei Sanders Associates in Nashua, New Hampshire, einem Hersteller von Bauteilen für Bordradar, zuletzt als Chefingenieur für Gerätebau. Dort begann er 1966 nebenher, Spiele für Heimfernseher zu entwickeln, mit William H. Harrison und William T. Rusch. Aus sieben Versuchsgeräten wurde die Magnavox Odyssey von 1972, die erste käufliche Heimvideospielkonsole; bis 1975 verkaufte Magnavox über 700.000 Stück. Auch das Spiel Simon geht auf seine Arbeit zurück, insgesamt hielt er mehr als 150 Patente. 2006 überreichte ihm Präsident George W. Bush die National Medal of Technology, 2010 kam er in die National Inventors Hall of Fame. Er starb am 6. Dezember 2014.
Der Moment
Am 15. Juni 1967 zeigte Baer der Firmenleitung, was in einem kleinen Laborraum neben dem Aufzug entstanden war. Am Tag zuvor hatte Herbert Campman aus der Konzernleitung alle Spiele gespielt; er und Patentanwalt Louis Etlinger bestätigten schriftlich, sie gespielt zu haben. Nun kamen Präsident Royden Sanders, Exekutiv-Vizepräsident Harold Pope und der Aufsichtsrat, der an diesem Tag im Werk tagte. Vorgeführt wurde die TV Game Unit #2, ein großes Aluminiumchassis mit hölzernem Pumpgriff, angeschlossen an einen 17-Zoll-Farbfernseher von RCA. Auf dem Programm standen unter anderem eine Jagd zweier Lichtquadrate, Fuchs und Hunde, ein Eimer-Füllspiel und Zielschießen mit einer Lichtpistole. Baer hatte die Ansagen auf Band gesprochen, sie kamen aus dem Lautsprecher des Fernsehers. Das Gerät lief ohne Panne; am Geschäft zweifelten manche, doch die Leitung ließ weiterarbeiten: „Build something we can sell or license, and soon!“ Alles war aus einzelnen Transistoren gebaut, denn integrierte Schaltungen waren 1967 noch zu teuer und verbrauchten zu viel Strom. Das Bild zeigt Baer am Pumpgriff, auf dem Schirm die zwei Lichtquadrate.
Die Kehrseite
Das erste Spiel für den Wohnzimmerfernseher entstand in einem Rüstungsbetrieb. Sanders arbeitete damals ausschließlich an Verteidigungselektronik; die ersten 2.500 Dollar für das Projekt kamen aus dem Forschungsgeld der Firma. Danach ging es oft vor Gericht: Magnavox wurde 1971 erster Lizenznehmer, Atari erst 1976, nach dem ersten von vielen Patentprozessen, die Sanders gewann. Und Magnavox warb anfangs so, dass viele Käufer glaubten, die Odyssey laufe nur an Magnavox-Fernsehern.

Was die Quellen offenlassen: Den Ablauf des Tages kennen wir aus Baers eigener Darstellung; die Akten des Smithsonian stützen das Datum nur über datierte Ordner. Ob der Laborraum im fünften oder sechsten Stock lag, wird widersprüchlich angegeben. Licht, Möbel, Kleidung und die Zahl der Zuschauer im Bild sind typisiert. Das Gesicht folgt einem gemeinfreien Foto Baers von 1977.

Zum Weiterlesen

Quellen