Two Pictures in the Rain

1978 · The Revolutionaries · Werk 1160 von 1.871

A colour television factory near Osaka on a rainy October afternoon, grey light through tall wet windows, a conveyor line of empty walnut cabinets, at the left on a white plinth a large television, its screen split into two blurred landscapes of green hills and blue sea, empty of people, in the centre standing on the factory floor in person the man, a short stocky man of seventy-four, dark grey high-collared tunic suit, his face in three-quarter view toward the screen, beside him a very old slender man in a dark suit seen from directly behind, head turned fully away.

Wer
Deng Xiaoping (1904–1997) war von Ende der 1970er-Jahre bis zu seinem Tod der mächtigste Mann der Volksrepublik China, obwohl er die sichtbarsten Ämter in Partei und Staat mied. Geboren am 22. August 1904 in Guang'an in der Provinz Sichuan als Sohn eines Grundbesitzers, studierte er 1920 bis 1924 in Frankreich, wo er zur kommunistischen Bewegung fand, danach in der Sowjetunion. Er ging den Langen Marsch mit, war im Krieg gegen Japan und im Bürgerkrieg Politkommissar und wurde 1954 Generalsekretär der Kommunistischen Partei. In der Kulturrevolution verlor er alle hohen Ämter; 1973 holte ihn Premier Zhou Enlai zurück, 1976 wurde er erneut gestürzt, im Juli 1977 kehrte er zurück und setzte sich gegen Mao Zedongs Nachfolger Hua Guofeng durch. Danach gab er den Bauern die Verantwortung für ihre Erträge, den Betrieben mehr Freiheit und öffnete das Land für Handel und ausländisches Kapital. China wuchs rasch, der Lebensstandard stieg. Zugleich führte er die strenge Ein-Kind-Politik ein und hielt an der Alleinherrschaft der Partei fest. Im Juni 1989 unterstützte er die gewaltsame Niederschlagung der Proteste in Peking. Er starb am 19. Februar 1997 in Peking.
Der Moment
Im Oktober 1978 reiste Deng, damals Vizepremier, als erster Führer der Volksrepublik nach Japan, um die Urkunden zum Friedens- und Freundschaftsvertrag auszutauschen. Er sei gekommen, um von den Japanern zu lernen, sagte er. Neben einem Autowerk von Nissan und einem Stahlwerk besuchte er am 28. Oktober das Fernsehwerk von Matsushita, der Firma hinter der Marke National, heute Panasonic, in Ibaraki bei Osaka. Es nieselte. Der 83-jährige Firmengründer Konosuke Matsushita wartete am Tor und führte ihn selbst. Deng ging langsam, fragte viel und sah eine vollautomatische Werkstatt der Farbfernsehfabrik. Im Ausstellungsraum standen ein Fernseher, der zwei Bilder zugleich zeigte, ein schnelles Faxgerät, ein Satzgerät für chinesische Schriftzeichen und ein Videorekorder; aus einem Mikrowellenherd kostete er ein Teigtäschchen. Dann fragte er Matsushita, ob er bei Chinas Modernisierung ein wenig helfen könne, und Matsushita sagte zu. Ins Gästebuch schrieb Deng: „Chinesisch-japanische Freundschaft, eine glänzende Zukunft.“ Das Bild zeigt ihn vor dem Fernseher mit den zwei Bildern, neben ihm, von hinten, der alte Matsushita.
Die Kehrseite
Aus Dengs Bitte wurde 1987 ein Gemeinschaftsunternehmen in Peking für Farbbildröhren, damals das größte chinesisch-japanische überhaupt; 250 chinesische Beschäftigte lernten dafür in Japan. Die erste Röhre war am 3. Juni 1989 fertig. In der Nacht darauf rückten Panzer und Soldaten in Peking gegen die Menschen vor, die seit April mehr politische Freiheit forderten; viele starben. Deng hatte den Einsatz der Gewalt unterstützt. Am 9. Juni sprach er zu den Kommandeuren der Kriegsrechtstruppen, betrauerte die gefallenen Soldaten und nannte den Protest eine „konterrevolutionäre Rebellion“. Das neue Werk arbeitete weiter. Die Fernsehfabrik in Ibaraki gab Panasonic später auf und verkaufte sie, unter anderem an Amazon.

Was die Quellen offenlassen: Langsamer Rundgang, Mikrowelle und Teigtäschchen stammen aus einer chinesischen Darstellung, die sich auf die Erinnerung von Dengs Begleitern stützt. Tageszeit, Dengs Kleidung und die Anordnung von Halle und Fernseher sind nicht überliefert und im Bild typisiert. Das Gesicht folgt einem gemeinfreien Foto des Weißen Hauses vom 29. Januar 1979. Die Zahl der Toten vom 4. Juni 1989 ist umstritten und wird hier nicht genannt.

Zum Weiterlesen

Quellen