1985 · Geoid Computation Plots · Werk 1199 von 1.871
A naval research office in Virginia on a grey March morning, a tall grey steel cupboard, a large desk covered with wide plotter sheets of blue curving parallel lines, at the right a large pale relief globe on a dark pedestal and a smaller globe on a cabinet, at the desk the woman, a Black woman of fifty-four with dark brown skin, short curly black hair and glasses, in a light beige blazer over a patterned blouse, leaning forward tracing one curve with a pen, her face in three-quarter view, alone in the room.
Wer
Gladys West (1930–2026) war Mathematikerin der US Navy; ihre Berechnungen der Gestalt der Erde gehören zu den Grundlagen der Satellitennavigation GPS. Als Gladys Mae Brown wurde sie am 27. Oktober 1930 in Sutherland, Virginia, geboren, als Tochter schwarzer Bauern mit einer Tabakfarm. Sie ging auf eine nach Hautfarbe getrennte Schule, wurde Jahrgangsbeste und studierte mit einem Stipendium Mathematik am Virginia State College, mit Abschlüssen 1952 und 1955. 1956 stellte die Navy sie in Dahlgren ein, als eine von vier schwarzen Beschäftigten. Zuerst prüfte sie Bombentafeln mit der Rechenmaschine, dann programmierte sie den NORC, damals den größten Rechner der Navy. Anfang der 1960er-Jahre wirkte sie an einer Studie über die Bewegung des Pluto im Verhältnis zum Neptun mit. Ab Mitte der 1970er-Jahre rechnete sie auf dem IBM 7030 „Stretch“ ein immer genaueres Modell der Erdgestalt, das Geoid; es floss in die Bahnen ein, auf denen heute die GPS-Satelliten fliegen. Sie leitete das Radar-Höhenmesser-Projekt des Satelliten Seasat, ging 1998 nach 42 Jahren in Dahlgren in den Ruhestand und promovierte 2000. Sie starb am 17. Januar 2026.
Der Moment
Am 16. März 1985 fotografierte die Navy Gladys West, 54 Jahre alt, mit ihrem Kollegen Sam Smith in Dahlgren, Virginia, einer Forschungsstelle der Navy am Potomac rund 80 Kilometer südlich von Washington. West steht am Tisch und fährt mit einem Kugelschreiber über große Plotterbögen voller parallel geschwungener Kurven; Smith beugt sich darüber. Rechts stehen zwei Globen. Die Bildunterschrift sagt, die beiden prüften Daten des GPS, an dessen Entwicklung West mitgewirkt hatte. Die Rechner, die solche Kurven erzeugten, sind auf dem Foto nicht zu sehen. Für die GEOSAT-Auswertung schaffte das Zentrum in diesen Jahren zwei neue Großrechner von Control Data an, einen CDC 865 für offene und einen CDC 875 für geheime Arbeiten, erreichbar über Terminals; für jeden Umlauf eines Satelliten wurden Geoidhöhen gegen die Zeit geplottet. 1986 legte West die Spezifikation für die Datenverarbeitung des Navy-Satelliten GEOSAT vor, aus dessen Radar-Höhenmessungen Dahlgren das Geoid über den Meeren berechnete. Das Bild zeigt sie über den Kurven, Smith von hinten.
Die Kehrseite
Das Erdmodell diente zuerst nicht Autofahrern. Wests eigener Bericht von 1986 nennt als Hauptaufgabe von GEOSAT, die Schwerefeldmodelle für die ballistischen Raketen der U-Boote zu verbessern; die Messdaten waren geheim und kamen auf Band per Boten nach Dahlgren. Und die Frau, deren Rechnungen heute in vielen Telefonen stecken, wurde zu Beginn ihrer Laufbahn wie andere schwarze Beschäftigte mitunter bei Dienstreisen übergangen, weil die Jim-Crow-Gesetze es ihnen schwer machten, mit weißen Kollegen in Restaurants zu essen und in Hotels zu übernachten. Anerkennung kam spät: Erst 2018, mit fast 90 Jahren, wurde ihr Anteil am GPS öffentlich bekannt.
Was die Quellen offenlassen: Belegt ist der Fototag, kein Ereignis; den 16. März 1985, einen Samstag, nennt nur eine Bildunterschrift des Verteidigungsministeriums von 2024, die auch die Kurven als GPS-Daten deutet. Was die Bögen wirklich zeigen, ist nicht überliefert. Märzlicht und Farben sind erschlossen, das Foto ist schwarz-weiß. Wests Gesicht folgt diesem gemeinfreien Navy-Foto; Sam Smith ist von hinten zu sehen.