The plain viewing room of a microchip factory in Erfurt in August, behind him a wide glass wall to a clean room in amber light with furnace tubes, in the foreground standing in the room the man, a gaunt man of seventy-seven with thin white hair and large dark-rimmed glasses, in a light grey suit and dark tie, plain lapels, his face turned toward the camera, serious and alert, alone, holding in both hands a small open case of blue velvet holding a few square grey ceramic chips.
Wer
Erich Honecker (1912–1994) war von 1971 bis 1989 der mächtigste Mann der DDR. Geboren am 25. August 1912 in Neunkirchen an der Saar als Sohn eines Bergmanns, wurde er früh Kommunist und arbeitete nach 1933 im Untergrund. 1937 verurteilte ihn der Volksgerichtshof zu zehn Jahren Haft, die er bis 1945 im Gefängnis Brandenburg-Görden verbrachte. Nach dem Krieg baute er die Freie Deutsche Jugend auf und führte sie bis 1955. Als Sekretär für Sicherheitsfragen leitete er 1961 die Vorbereitungen für den Bau der Berliner Mauer, die er bis zu seinem Tod verteidigte; mindestens 140 Menschen kamen an ihr ums Leben. 1971 löste er Walter Ulbricht an der Spitze der SED ab, 1976 wurde er auch Vorsitzender des Staatsrats. Er baute den Überwachungsstaat weiter aus, grenzte die DDR gegen die Bundesrepublik ab und lehnte die Reformen Michail Gorbatschows ab. Im Oktober 1989 zwang ihn das Politbüro zum Rücktritt. 1992 wurde er wegen der Todesschüsse an der Grenze angeklagt; das Verfahren wurde 1993 wegen seiner Krebserkrankung eingestellt. Er starb am 29. Mai 1994 in Santiago de Chile.
Der Moment
Im Sommer 1989 war Honecker schwer krank; seit er am 7. Juli vom Gipfeltreffen in Bukarest zurückgekehrt war, hatte er sich kaum gezeigt. Am 14. August besuchte er in Erfurt das Kombinat Mikroelektronik „Karl Marx“ und nahm Muster des ersten 32-Bit-Mikroprozessors der DDR entgegen, des U 80701. Der Chip mit rund 130.000 Transistoren entsprach dem MicroVAX-Prozessor der amerikanischen Firma DEC; seit 1986 hatten das Kombinat, Robotron und die Akademie der Wissenschaften daran gearbeitet. Er sollte in neue Rechner aus eigener Fertigung eingebaut werden und die DDR vom Westen unabhängig machen. Honecker nannte ihn einen „würdigen Beitrag zum Republikjubiläum“, dem 40. Jahrestag der DDR im Oktober. Dann sprach er vom „Triumphgeschrei westlicher Medien“ über das Scheitern des Sozialismus und sagte: „Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf.“ Das Bild zeigt ihn mit einem kleinen Kästchen voller Chips vor dem Reinraum, um ihn Werkleiter und Arbeiterinnen von hinten.
Die Kehrseite
Ein Jahr zuvor, bei der Übergabe des ersten Megabit-Speichers, hatte Honecker selbst gesagt, 14 Milliarden Mark seien bis dahin in die Mikroelektronik der DDR geflossen. Dieser Speicher kam, als im Westen schon 4-Megabit-Chips in Serie liefen; die Ausbeute lag bei etwa einem Fünftel, in Serie ging er nie. Einer der Entwickler sagte später, man habe nicht darüber nachgedacht, dass das Geld vielleicht woanders in der Volkswirtschaft fehlte. Am Tag des Besuchs in Erfurt schloss die bundesdeutsche Botschaft in Budapest mit 180 Flüchtlingen aus der DDR ihre Türen. Neun Wochen später musste Honecker zurücktreten, am 9. November 1989 öffnete die DDR die Grenze.
Was die Quellen offenlassen: Tag, Ort, Übergabe und Satz sind belegt; die Rede im „Neuen Deutschland“ vom 15. August 1989 wurde nur über spätere Zitate eingesehen. Wie der Raum aussah, ob Honecker am Reinraum stand, was er trug und wie die Muster verpackt waren, ist nicht überliefert und im Bild typisiert. Das Gesicht folgt einem gemeinfreien Foto des Nationaal Archief von 1987; alle anderen Menschen sind von hinten zu sehen.