2006 · Switched-Off Line Crossing · Werk 1235 von 1.871
A narrow river winding through flat marshland in East Frisia on a cold November night, a huge new cruise ship moving slowly stern first between low grassy dykes, its towering white hull and many decks of windows blazing with white light, hull and funnel plain and unmarked, two small tugboats with bright floodlights, high above the river a heavy double line of conductors hanging dark between two towering grey steel lattice masts on the banks, black fields and a few dark farmhouses beyond, a row of spectators in winter jackets seen from directly behind on top of the dyke, the small blue-white screens of their cameras glowing.
Wofür es benutzt wurde
Am Abend des 4. November 2006 schaltete E.ON Netz die 380-kV-Doppelleitung Conneforde-Diele über die Ems ab, damit ein Schiff zur Nordsee überführt werden konnte; der Bericht der UCTE nennt als Grund "the transport of the ship 'Norwegian Pearl' via the Ems River to the North Sea", beantragt von der Meyer Werft. Vorgesehen war die Abschaltung für den 5. November, 1 bis 5 Uhr. Am 3. November bat die Werft, sie um 3 Stunden auf den 4. November, 22 Uhr, vorzuziehen. Die Nachbarnetzbetreiber erfuhren von der neuen Zeit erst am 4. November um 19 Uhr. Die beiden Stromkreise wurden um 21:38 und 21:39 Uhr geöffnet.
Was daran neu war
Neu war an dem Schaltvorgang nichts; er war geplant und angekündigt. Kennzeichnend ist, was daraus wurde. Rund 30 Minuten später fiel die überlastete Leitung Landesbergen-Wehrendorf aus, und um 22:10:28 bis 22:10:29 zerfiel das UCTE-Netz in 3 Gebiete. Im Westen fehlten etwa 8.940 MW Import, die Frequenz sank binnen 8 Sekunden auf etwa 49 Hz, mit Raten bis 120 bis 150 mHz/s; etwa 17.000 MW Last wurden abgeworfen. Im Nordosten standen über 10.000 MW zu viel, etwa 17 Prozent der Erzeugung dieses Gebiets, die Frequenz stieg auf etwa 51,4 Hz. Im Südosten fehlten etwa 770 bis 800 MW. Der Widerhaken: Eine Routinehandlung im Netzbetrieb, das Freischalten einer Leitung für ein Schiff, führte zu Versorgungsunterbrechungen für mehr als 15 Millionen europäische Haushalte.
Was die Quellen offenlassen: Grundlage ist der Abschlussbericht der UCTE vom 30. Januar 2007, also die Darstellung der Netzbetreiber selbst. Der Bericht nennt das Importdefizit im Westen an einer Stelle mit etwa 8.940 MW, an anderer mit rund 9.500 MW; hier steht die erste Zahl. Eine Haushaltszahl für die abgeschaltete Leitung allein gibt der Bericht nicht; die 15 Millionen beziehen sich auf die gesamte Störung.