Milk into Horn

1920 · Casein Plastic · Werk 1285 von 1.871

A sample room in a stone mill in a Gloucestershire valley on a rainy autumn day, soft grey light from a tall window streaked with rain, on an oak table bundles of long round rods of casein plastic in marbled and horn patterns, black flecked with green, red and black, yellow-brown marbled, silver-grey veined, blue and silver, pale yellow with a fine black net, beside them a fan of square plates in white, mint green, cobalt blue, yellow, pink, red and magenta, behind soft in focus an open stoneware tank with plates lying in clear liquid, a hand in a grey work sleeve holding a tortoiseshell rod up to the window.

Wofür es benutzt wurde
Kaseinkunststoff, in Deutschland als Galalith, in England als Erinoid verkauft, ging vor allem in die Knopfindustrie: "This was especially important for the button trade which was the principal consumer of casein plastics", schreibt die Plastics Historical Society. Daneben Schnallen, Stricknadeln, Füllhalter- und Drehstiftgehäuse. Die englische Fertigung lief in einer stillgelegten Tuchfabrik, Lightpill Mill in Stroud: Produktionsbeginn im Oktober 1914 "with a labour force of less than 20", ausgelegt auf 5 Tonnen Kasein je Woche im Trockenverfahren. Gemahlenes Kasein wurde geknetet, stranggepresst, in Rahmenformen unter etwa 50 Tonnen Pressdruck verpresst und dann im Formalinbad gehärtet.
Was daran neu war
Neu war die Reihenfolge, und sie steht so im Anspruch von Krische und Spitteler (US 646.844, angemeldet am 20. Oktober 1897, ausgegeben am 3. April 1900): zuerst lösliches Kasein mit Säure oder Salz unlöslich machen, dann mit Formaldehyd behandeln. Die Patentschrift grenzt sich ausdrücklich gegen frühere unlösliche Kaseinprodukte ab, die im Wasser aufquollen; Ziel war ein Werkstoff, der Horn "in appearance, hardness, tenacity, and resistance to water" gleichkommt. Rezepturen für Kunsthorn aus Milcheiweiß sind weit älter, das Deutsche Kunststoff-Museum datiert eine auf 1530. Der Preis war das Bad: Die Härtung einer 25 Millimeter dicken Platte dauerte Monate und verzog das Material, weshalb Kasein kaum geformt, sondern zerspant wurde.

Was die Quellen offenlassen: Dem Jahr 1920 ließ sich kein Ereignis zuordnen; die Quellen datieren das US-Patent auf 1897/1900, das deutsche auf den 15. Juli 1899, die Produktion auf 1904 (Harburg) und Oktober 1914 (Stroud). Zur Härtungsdauer widersprechen sich zwei Fachquellen: "six months or more" gegen "up to one year", beide für 25 mm. Eine deutsche Patentnummer nennt keine Quelle. Tonnage- und Belegschaftszahlen um 1920 fehlen.

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