1943 · Vinylon Spinning Apparatus · Werk 1295 von 1.871
A wooden laboratory of a university in Japan on a rainy summer afternoon, grey light through wet windows, a long spinning apparatus, a pale grey-green steel angle frame on six legs with crossed braces, on top a row of silver pulleys and rollers linked by leather belts and chains, an A-shaped stand with small bobbins at the left, a thin rod rising in the middle, a grey electric motor at the right, at the front a thin glass tube dripping a fine stream into a long shallow bath, a single white thread running over the silver rollers to a bobbin, a hand testing the thread, every surface plain and unmarked.
Wofür es benutzt wurde
Das Spinngerät im Archiv des Instituts für chemische Forschung der Universität Kyoto ist nach der Objektbeschreibung "1943年頃作成", also um 1943 entstanden. Erhalten sind der Hauptkörper, der aufrecht stehende Antriebsteil und das Spinnbad. Der Arbeitsgang: Aus einem Glasrohr links am Gerät fiel die Lösung in das Spinnbad und wurde dort zum Faden; abgezogen wurde über eine Nelson-Rolle. Die unterschiedlich langen Spinnbäder dienten nach Angabe des Archivs dazu, verschiedene Verstreckungsgrade zu fahren. Das Typenschild des Getriebes nennt 1/4 PS, eine Untersetzung von 1:30 und 1.800 auf 60 Umdrehungen. 2012 erklärte die Chemical Society of Japan das Gerät samt einem Planungsdokument zum Chemical Heritage.
Was daran neu war
Der Rohstoff war älter als die Faser: Polyvinylalkohol wurde nach Angabe von Kuraray 1924 von Hermann Staudinger entdeckt. Was Sakuradas Gruppe an der Kaiserlichen Universität Kyoto 1939 entwickelte und "Synthetic No. 1" nannte, war eine Faser daraus. Die Prioritätsangabe der Universität selbst ist zurückhaltend: Vinylon sei "the first synthetic fiber in Japan and the second in the world". Zur Serienfertigung kam es erst 1950, und sie war ein Wagnis: Kuraray nennt einen Bedarf von über 1,4 Milliarden Yen bei einem Firmenkapital von nicht mehr als 250 Millionen, finanziert über einen Konsortialkredit von 15 Banken. Der Widerhaken liegt in 1943 selbst: Die Firma, die die Faser bauen sollte, fertigte bis Kriegsende Sperrholz und hölzerne Flugzeuge.
Was die Quellen offenlassen: 1943 ist weder Erfindungs-noch Produktionsjahr: Die Grundlagenforschung war 1939 abgeschlossen, die Produktion begann 1950; das Gerät entstand um 1943, Teile kamen bis vor 1963 hinzu. Zu deutschen Vorarbeiten an PVA-Fasern fand sich kein zulässiger Beleg, der Unterschied zu ihnen bleibt daher offen. Zu Ri Sung Gi und der nordkoreanischen Vinalon-Produktion fand sich keine Quelle außerhalb der Wikipedia.