The Sealed Census

1937 · Sealed Archive Cabinet · Werk 703 von 1.871

The Sealed Census, 1937, Sealed Archive Cabinet

The storage room of a state archive in Moscow in 1937, a tall grey-green sheet-steel cabinet about two metres high with one door standing half open, inside it shelves packed to the top with bundles of grey-brown cardboard folders tied with cloth tapes and hemp cord, the folders plain and unmarked and seen from their spines and edges, a length of hemp cord drawn across the two door handles and joined by a lump of dark red sealing wax with a smooth blank surface, a single bare light bulb hanging on a cloth-covered flex above the cabinet, bare concrete floor, bare plastered walls painted grey fading into darkness, a wooden stepladder at the side, a deserted silent room.

Wofür es benutzt wurde
Die sowjetische Volkszählung vom 6. Januar 1937 sollte zählen, wie viele Menschen in der Sowjetunion lebten. Vorbereitet wurde sie seit 1932. Eine Sonderkommission unter Wjatscheslaw Molotow, im September 1935 eingerichtet, strich viele heikle Fragen aus dem Programm. Das vorläufige Ergebnis lautete 162 Millionen Einwohner, und viele Orte hatten weniger Einwohner als bei der Zählung davor. Die Unterlagen wurden daraufhin amtlich als fehlerhaft eingestuft, geheim gehalten und vernichtet. Statistiker wurden verhaftet oder erschossen. Ivan Kraval, der Leiter des Statistikamts, wurde am 26. September 1937 erschossen und erst 1956 rehabilitiert. Mark Tolts schreibt, während des Großen Terrors von 1937 bis 1939 seien drei aufeinanderfolgende Leiter der Zentralen Statistikverwaltung hingerichtet worden.
Was daran neu war
Eine technische Neuerung gibt es hier nicht. Neu war das Verfahren im Umgang mit einem unerwünschten Ergebnis: nicht Korrektur, sondern Geheimhaltung, Vernichtung und Erschießung. Dass es um die Zahl selbst ging, lässt sich an der Wiederholung ablesen. Die neue Zählung vom 17. Januar 1939 ergab vorläufig 167,3 Millionen, gemeldet von Ivan Sautin. Stalin nannte am 10. März 1939 auf dem 18. Parteitag etwa 170 Millionen, bevor die Ergebnisse vorlagen, und das offizielle Endergebnis lautete dann 170.557.093. Tolts nennt als Mittel eine direkte Aufblähung um ein Prozent und manipulierte Kontrollbogen. Um die Ballung von Häftlingen im Norden und Osten Russlands zu verbergen, wurden außerdem die Zählbogen von 759.550 Häftlingen anderen Landesteilen zugeschlagen. Die vollständigen Daten erschienen erst 1992.

Was die Quellen offenlassen: Der Werktitel ist nicht eindeutig, und die Werkseite war in diesem Lauf nicht abrufbar. Ich habe ihn auf die sowjetische Zählung von 1937 bezogen, deren Unterlagen geheimgehalten und vernichtet wurden. Ein Endergebnis für 1937 nennen die Quellen nicht, nur die vorläufigen 162 Millionen. Für die tatsächliche Zählung 1939 geben sie 167,3 und 167,6 Millionen an.

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