1968 · Czochralski Crystal Puller · Werk 848 von 1.871
A crystal growing room in Mountain View under bright fluorescent tubes, close at the grey steel chamber of a crystal puller in a grey-blue frame, in its side a small round window of thick glass, inside a bell-shaped quartz crucible glowing orange-white, its last thin film of molten silicon drawn up into the tapered end of a silvery crystal hanging from a pull rod, two hands in pale sleeves entering from below, the right hand holding a very dark glass shield in a metal frame beside the window, the left hand on a black knurled knob, yellowish hoses, further puller towers with orange windows soft behind.
Wer
Patricia Anderson war Kristallzieherin im Silicon Valley, eine der vielen Frauen, die in den 1960er- und 1970er-Jahren das Ausgangsmaterial der Halbleiter herstellten und deren Namen heute kaum jemand kennt. Geboren in Seattle, zog sie 1953 als fast Fünfjährige mit ihrer Familie nach Petersburg auf der Insel Mitkof im Südosten Alaskas. Nach dem Schulabschluss 1965 ging sie nach Mountain View in Kalifornien, studierte wissenschaftliche Datenverarbeitung und programmierte in Fortran. Im März 1968 erfuhr sie über einen Anwerber ihrer Hochschule von einer Stelle als Kristallzieherin bei der Firma Elmat, die damals zur Semimetals-Sparte von General Instrument gehörte. Nach einem kurzen Winter in Alaska kam sie zurück; 1972 holte Hewlett-Packard sie zum Kristallziehen. Anfang 1975 kehrte sie endgültig nach Alaska zurück, ging bei der Elektrikergewerkschaft IBEW in die Lehre, arbeitete beim Pipelinebau und richtete später Telefonanlagen für Firmen ein. 2020 schenkte sie dem Computer History Museum Tiegel, Kristalle und Unterlagen und erzählte ihre Geschichte in einem Interview. So wurde eine der vielen Produktionsarbeiterinnen sichtbar, auf denen das Silicon Valley gebaut ist.
Der Moment
Am 20. Juni 1968, wenige Monate nach ihrem Arbeitsbeginn, stand Anderson im Kristallziehraum von Elmat an der National Avenue in Mountain View. Nach ihrer Erinnerung liefen dort acht bis zehn Anlagen Tag und Nacht, der Raum war hell unter Leuchtstoffröhren. Nichts war automatisch: Durch sehr dunkle Schutzgläser in einem Metallrahmen blickte sie auf die Schmelze aus Silizium, über 2.500 Grad Fahrenheit heiß, und regelte Ziehgeschwindigkeit und Temperatur von Hand nach. In der Arbeitsanweisung stand in Großbuchstaben: „Don't lose control.“ Am Ende eines Kristalls sieht man dessen Unterseite nicht, darum bleibt gewöhnlich ein Rest im Tiegel. An diesem Tag zog Anderson die ganze Schmelze aus dem glockenförmigen Quarztiegel in den Kristall. Sie beschriftete den leeren Tiegel mit „Pat's Glory“ und dem Datum und bewahrte ihn fünfzig Jahre lang auf.
Die Kehrseite
Für diese Arbeit bekam Anderson im Frühjahr 1968 zwei Dollar die Stunde, bis zum Sommer zwei Dollar zehn, so steht es auf ihren Lohnzetteln. Wer solche Frauen heute sucht, findet kaum Spuren: an die Personalakten von Stundenkräften kommt man nicht heran, Namen haben sich geändert; Andersons Geschichte ist erhalten, weil sie sich selbst beim Museum meldete. Später, bei Hewlett-Packard, ätzte sie Scheiben unter Abzügen mit Säuren; ohne Filter auf dem Dach fraß die Abluft den Lack der Autos auf dem Parkplatz an. In Alaska erkrankte sie dreimal an Brustkrebs. Ob es einen Zusammenhang gibt, fragte sie bei einer Forschungsgruppe nach. Eine Antwort bekam sie nie.
Was die Quellen offenlassen: Alles über Anderson und diesen Tag stammt aus ihrem Interview mit dem Computer History Museum von 2020 und den Stücken, die sie schenkte; eine zweite, unabhängige Quelle gibt es nicht. Ob die Anlage ein rundes Schauglas hatte, ist nicht belegt. Die Aufschrift kam später auf den kalten Tiegel und fehlt im Bild. Zu sehen sind nur ihre Hände, weil es kein gemeinfreies Foto von ihr gibt.