1965 · Monolithic Operational Amplifier · Werk 856 von 1.871
An analogue circuit on a laboratory bench in California, a small board of brown pressboard with rows of brass solder eyelets, in its middle a tiny round metal can nine millimetres across of plain smooth unmarked polished silver with a flat top and a rolled rim, below it a white insulating ring and eight long thin gold wire legs spreading out to the eyelets, around it small resistors with coloured bands and blue disc capacitors, a hand in a rolled-up white shirt sleeve turning a tiny trimmer with a small screwdriver, a soldering iron in its wire stand, a coil of hook-up wire, lamp light from the left.
Wofür es benutzt wurde
Fairchild gibt bei der Einführung des µA709 als Zweck an: Allzweckverstärker in Gleichstrom-Servosystemen, in Analogrechnern mit hoher Eingangsimpedanz und in der Messtechnik kleiner Signale, dazu die Erzeugung besonderer linearer und nichtlinearer Funktionen. Eine Anzeige von 1967 bewirbt die kommerzielle Ausführung als Lagerbauteil für industrielle Anwendungen. Der Vorgänger µA702 war dafür zu teuer: Thomas H. Lee schreibt, sein Einstiegspreis von etwa 150 bis 300 Dollar habe die möglichen Käufer auf Militär und Luftfahrt begrenzt. Der 709 kostete im Dezember 1965 75 Dollar bei 1 bis 24 Stück und 50 Dollar bei 100 bis 999; im Juli 1967 warb Fairchild mit unter 5 Dollar ab 10.000 Stück.
Was daran neu war
Gegenüber dem µA702 bot der 709 nach Fairchilds Datenangaben eine Leerlaufverstärkung von typisch 45.000, wo beim 702 nach Thomas H. Lee der typische Wert über 3.000 lag; Lee nennt dazu etwa 1 MHz Bandbreite und die Versorgung mit plus/minus 15 V, die sich bei diskreten Halbleiterverstärkern gerade als Norm durchgesetzt hatte. Der erste war er nicht: H. C. Lin baute 1963 bei Westinghouse einen kundenspezifischen Operationsverstärker für die Minuteman II, und das Computer History Museum nennt den 702 von 1964 das erste breit genutzte kommerzielle Produkt dieser Art; Modulverstärker kamen 1962 von Nexus Research Labs, dann von Burr-Brown und Philbrick. Der Widerhaken: 3 Verstärkerstufen mussten von außen frequenzkompensiert werden, weshalb Widlar alle hochohmigen Knoten nach außen führte - Lee setzt trocken hinzu, manchmal sei es dem Anwender sogar gelungen. Intern kompensiert war erst der µA741 von 1968.
Was die Quellen offenlassen: Zur Verstärkung gehen die Angaben auseinander: Fairchilds Anzeige von 1967 nennt typisch 45.000 bei 25 °C und ±15 V, Thomas H. Lee etwa 60.000 ohne Bedingungen; der Unterschied bleibt offen. Die Einführung im November 1965 steht nur bei Lee; die früheste zeitgenössische Fundstelle ist der 27.12.1965. Produzierte oder verkaufte Stückzahlen des 709 sind nicht belegt.