1971 · Integrated Timer Circuit · Werk 861 von 1.871
A kitchen table in a house in California at night, in the foreground a single tiny oblong block of plain smooth unmarked matt black plastic ten millimetres long, a small half-round notch at one end with a round dimple beside it, four short tin-silver legs bent down along each side, behind it a breadboard with coloured jumper wires, a large sheet of graph paper with fine pencil lines of a circuit lying at a flat angle and soft in focus, a sheet of deep red translucent film with a craft knife on it, a coffee mug, a hand in a checked flannel sleeve, the cone of a desk lamp from the left.
Wofür es benutzt wurde
Der 555 ist ein integrierter Zeitgeberbaustein. Electronics schrieb im Juni 1973, die kommerziellen Ausführungen sollten mit mechanischen und elektromechanischen Zeitschaltern konkurrieren, und das Geschäft gehe zügig, weil die Nachfrage das Angebot übersteige. Im gleichen Heft druckte die Zeitschrift Schaltungen ein, die Ingenieure eingesandt hatten, darunter eine Autoalarmanlage aus 2 Zeitgebern von Michael L. Harvey, Ropel Corp., El Segundo. Hans Camenzind entwarf den Baustein als freier Berater für Signetics: die Firma zahlte 1200 Dollar im Monat für ein Jahr und lieh ihm Geräte, die sie nicht brauchte, weil sie gerade die Hälfte ihrer Ingenieure verloren hatte. Der Preis bei Markteinführung lag bei 75 Cent ab 100 Stück. Für 1973 nennt Electronics einen Absatz aller IC-Zeitgeber von über 7 bis 8 Millionen Stück im Jahr.
Was daran neu war
Camenzind schreibt in seinem eigenen Buch, Zeitgeber seien damals aus einem Operationsverstärker oder Komparator und einigen Einzelbauteilen zusammengesetzt worden, darunter eine oder zwei Zenerdioden. Der Entwurfssprung war die Anschlusszahl: seine erste Fassung brauchte 9 Anschlüsse, verfügbar waren Gehäuse mit 8 und mit 14. Erst als er den Spannungs-Strom-Wandler strich und den Kondensator über einen Widerstand lud, kam er auf 8 Anschlüsse - und die Zeiten blieben dabei von der Versorgungsspannung unabhängig, die Schaltung wurde also kleiner und genauer zugleich. Die Grundschaltung stammte vom Signetics 566, einem spannungsgesteuerten Oszillator aus Camenzinds Arbeit am Phasenregelkreis. Der Widerhaken: es gibt kein Patent. Camenzind sagt, Signetics habe keines anmelden wollen, weil ein Verfahren Fairchild dazu gebracht hätte, mit seinen eigenen Patenten zurückzukommen; binnen sechs Monaten bis einem Jahr hatten ihn National und Fairchild ebenfalls.
Was die Quellen offenlassen: Im Signetics-Datenbuch 1972 ist die Seite zum 555 als Vorabinformation zu einem neuen Produkt überschrieben, und in den 22 im Archiv greifbaren Electronics-Ausgaben von 1971 kommt der Baustein nicht vor; die erste Fundstelle ist der 8.5.1972. Entwurf und Prototyp gehören zu 1971, der Markt zu 1972. Die Bauteilzahl wird mit 23 Transistoren und 15 oder 16 Widerständen angegeben. Die Zahl von 1 Milliarde Stück im Jahr ist eine Schätzung des Entwerfers, keine Erhebung.