1972 · Single-Chip Radio Receiver · Werk 863 von 1.871
A small home-built radio lying open on a pine kitchen table in England in the evening, on a board of brown pressboard six centimetres long a short black ferrite rod five centimetres long wound with fine copper wire, a small variable capacitor with a plain black knob, a single plain unmarked silver-grey button cell in a wire clip, and standing on three thin wire legs a tiny round silver metal can five millimetres across, a cream plastic crystal earpiece on a thin cable lifted by a hand in a knitted sleeve, a soldering iron on a folded cloth, a brown teapot soft behind, warm lamplight from the left.
Wofür es benutzt wurde
Der Ferranti ZN414, ein vollständiger AM-Radioschaltkreis auf einem Chip, wurde über den Bastelhandel an Privatleute verkauft: Practical Wireless nennt im Januar 1973 Bywood Electronics in Hemel Hempstead, Henry's Radio in der Edgware Road in London und Davian Electronics in Oldham, Preis bei allen drei gleich 1,25 Pfund einschließlich Porto. Das erste belegte Projekt ist der Mighty Midget von Halvor Moorshead, ein Mittelwellenempfänger in einer Schnupftabakdose für insgesamt etwa 2 Pfund; Anlass war eine Vorführung des Bausteins in der BBC-Sendung Tomorrow's World Anfang November 1972. Außen brauchte es dazu eine Ferritantenne mit 90 Windungen, einen Quetschtrimmer von 250 pF, 2 Widerstände, 2 Kondensatoren, einen Kristallhörer und eine Quecksilberzelle mit 1,4 V, die über 400 Stunden für etwa 16 Pence hielt.
Was daran neu war
Kennzeichnend war, dass der Baustein ohne Zwischenfrequenzspulen und ohne Filterblock auskam, während die konkurrierenden AM-Radiobausteine auf ZF-Filterblöcke ausgelegt waren: eine Händlertabelle von 1973 führt TAD100, TBA651 und CA3088E unter der Überschrift, sie seien alle mit Toko-Filterblöcken zu betreiben; Watford Electronics bewirbt den ZN414 im November 1973 als vollständigen Empfänger, der zur Abstimmung keine ZF-Spulen braucht. Der Mullard TAD100 war in Britannien schon im März 1972 im Handel, zu 1,50 bis 1,97 Pfund. Technisch war der ZN414 kein Überlagerungsempfänger, sondern ein Geradeausempfänger - eine in den dreißiger Jahren abgeschaffte Bauart. L. A. J. Ireland begründet das in Practical Wireless damit, dass eine integrierte ZF-Stufe das Signal mehrfach zwischen Chip und äußeren Bauteilen schicken müsste und dabei jedes Mal die Instabilität riskiere, die der Überlagerungsempfänger vermeiden sollte. Ferrantis eigener Anspruch ist eng: der kleinste Radiobaustein der Welt, der den Überlagerungsempfänger brauchbar ersetzt.
Was die Quellen offenlassen: Das Jahr 1972 ist nur mittelbar belegt: Ferranti gibt Entwurfsbeginn November 1970 und den ersten arbeitenden Baustein Juli 1971 an, Practical Wireless die Fernsehvorführung Anfang November 1972. Eine Produktankündigung von 1972 war in der Fachpresse nicht zu finden; erste Fundstellen Januar und Februar 1973. Zum CDI-Verfahren sagen Ferrantis Autor und Wireless World übereinstimmend: entdeckt bei den Bell Laboratories, weiterentwickelt von Ferranti. Stückzahlen fehlen.