Design Cutoff

1978 · Multi-Project VLSI Chip · Werk 906 von 1.871

A university design laboratory in Cambridge in Massachusetts on a December evening, black night in the tall windows, fluorescent light, students in sweaters bent over terminals along the far wall, their screens glowing plain pale green and soft in focus, on a table a flat beige pen plotter with four coloured pens drawing on a large sheet a dense pattern of overlapping rectangles and stripes in green, red, blue and yellow, paper coffee cups, in front a tall woman with long hair in a dark blouse holding up a large plot toward the ceiling lights, the coloured pattern glowing through the thin paper, everyone seen from directly behind, faces turned fully away.

Wer
Lynn Conway (1938–2024) war Informatikerin und Chip-Pionierin; ihre Methoden veränderten, wie Mikrochips entworfen und gelehrt werden. Geboren in Mount Vernon im Staat New York, studierte sie am MIT und an der Columbia University und kam zu IBM Research. Dort erfand sie ein Verfahren, mit dem ein Rechner mehrere Befehle außer der Reihe zugleich ausgeben kann. Als sie 1968 ihre Geschlechtsangleichung begann, entließ IBM sie. Mit neuer Identität fing sie Anfang 1969 als Programmiererin ganz unten wieder an, wurde bei Memorex Rechnerarchitektin und ging 1973 zu Xerox PARC in Palo Alto. Mit Carver Mead vom Caltech entwickelte sie einfache, skalierbare Regeln für den Entwurf sehr großer Schaltungen und war Hauptautorin des Lehrbuchs „Introduction to VLSI Systems“. Ihr Kurs am MIT 1978 und das Netzverfahren, das sie danach bei PARC aufbaute, trugen den Chipentwurf an viele Hochschulen; daraus ging der Dienst MOSIS hervor. Bei der DARPA plante sie die Strategic Computing Initiative, die auch Waffensysteme voranbringen sollte. Später lehrte sie an der University of Michigan. Ab 1999 machte sie ihre Geschichte öffentlich und wurde zur Stimme für transgeschlechtliche Menschen. Sie starb am 9. Juni 2024.
Der Moment
Im Herbst 1978 lehrte Conway als Gastprofessorin am MIT einen neuen Kurs: 32 Studierende sollten eigene Chips entwerfen, neun Lehrende und Mitarbeiter hörten zu. Im Entwurfslabor gaben sie ihre Entwürfe an DEC-20-Terminals ein und ließen sie auf HP-Stiftplottern in Farbe zeichnen, um Fehler zu finden. Laut Kursplan war Dienstag, der 5. Dezember 1978, der Designschluss: Alle Entwurfsdateien mussten bei Xerox PARC sein, damit sie am nächsten Tag zu einem gemeinsamen Chip zusammengeführt werden konnten. Am selben Tag sprach Carver Mead im Seminar. Die Dateien gingen über das ARPANET nach Palo Alto; die letzten schickte Conway nach ihrer Erinnerung am 6. Dezember ab. Bei PARC wurden 19 Projekte zu einem Multiprojekt-Chip vereint, die Scheiben fertigte ein Labor von Hewlett-Packard. Am 18. Januar 1979 gingen die fertigen Chips zurück ans MIT.
Die Kehrseite
Für Conway war der Kurs ein Wagnis. Sie lebte, so schrieb sie später, in ständiger Angst, dass ihre Vergangenheit bekannt würde; bisher hatte sie geschützt im Labor gearbeitet, nun stand sie vor Publikum. Ihre Arbeit bei IBM hielt sie geheim. Die Intel-Chefs Noyce, Moore und Grove hielten sie nach ihrem Eindruck wohl nur für Meads Helferin beim Buch, nicht für die Hauptarchitektin der neuen Methode; Frauen seien in der Halbleiterbranche Außenseiterinnen gewesen. Erst 2009 ehrte die IEEE Computer Society auch ihre frühe Arbeit bei IBM mit dem Computer Pioneer Award.

Was die Quellen offenlassen: Ob Conway am Abend des 5. Dezember im Entwurfslabor war, sagt keine Quelle; belegt sind ihre Kursleitung und der Versand der Dateien. Der Kursplan nennt den 5. Dezember als Designschluss, Conways spätere Erinnerung den 6. Dezember für den Versand. Conway ist von hinten zu sehen, weil es kein gemeinfreies Foto von ihr gibt; wie sie 1978 aussah, ist nicht beschrieben.

Zum Weiterlesen

Quellen