The Banned Calculator

1974 · Fluorescent-Display Pocket Calculator · Werk 944 von 1.871

The teacher's desk in an empty classroom of a grammar school in Düsseldorf after a mathematics test in autumn, the desk drawer pulled half open, inside it four collected pocket calculators in a heap, in front a black one fifteen centimetres long, at its top left a large dark window with a faint blue-green shimmer behind a glossy plain black panel, at its lower right a slanting block of pale grey and orange-red keys, every key plain smooth and unmarked, on the desk a stack of closed plain blue exercise books, rows of empty wooden desks with chairs pushed in, a dark green chalkboard wiped clean, low golden afternoon light from tall windows.

Wofür es benutzt wurde
Der ST-108 der japanischen Firma Santek ist ein Vierfunktionsrechner von 1974; nach dem Science Museum konnte er addieren, subtrahieren, multiplizieren, dividieren und Prozente rechnen. Das Museum zeigt es als Zeugen eines Streits: Im Jahr seiner Herstellung lehnten nach seinen Angaben 72 Prozent der befragten Mathematiklehrer in den USA die Einführung solcher Rechner ab, aus Sorge um das mathematische Verständnis. Die Computerwoche meldete am 7. November 1975, eine Untersuchung des baden-württembergischen Kultusministers habe ergeben, dass Schüler aller Stufen Taschenrechner benutzten. Die Geräte fielen noch nicht unter die Lernmittelfreiheit, und die Kultusminister fürchteten, sie könnten „die Chancengleichheit in den Klassen verschieben“. In Nordrhein-Westfalen waren sie nur erlaubt, wenn alle Schüler einer Klasse einen hatten, und in Prüfungsarbeiten verboten.
Was daran neu war
Am ST-108 selbst war technisch nichts neu; er ist ein Massengerät seiner Jahre. Seine blaugrüne Fluoreszenzanzeige gehört zu einer japanischen Bauart: Nach dem IEEE, das sie 2025 als Meilenstein würdigte, brachte Tadashi Nakamura die Vakuum-Fluoreszenzanzeige 1967 auf den Markt; sie ersetzte die großen, teuren Nixie-Röhren mit ihrer hohen Spannung und revolutionierte nach dem IEEE-Text 1972 die Rechnerindustrie. Der Hersteller Noritake Itron, früher Ise Electronics, datiert in seiner Firmengeschichte den Grundaufbau auf 1966 und die Erfindung auf 1967. Neu war vor allem der Preis: Die Computerwoche nannte 1975 Stückpreise „bereits unter 20 Mark“ und weit über 2,5 Millionen Taschenrechner, die in jenem Jahr in die Bundesrepublik eingeführt wurden.

Was die Quellen offenlassen: Exemplar: Science Museum Group 1998-881, ohne Schulgeschichte. Die 72 Prozent stehen nur beim Science Museum, das die Umfrage einem „National Council of Mathematics Teachers“ zuschreibt; die Originalumfrage wurde nicht gefunden. Dass die Anzeige fluoresziert, zeigt das Museumsfoto, nicht der Datensatz. Das Düsseldorfer Gymnasium stammt aus dem Bildentwurf, nicht aus einer Quelle.

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