1962 · Mechanical Desk Calculator · Werk 956 von 1.871
An office of a research centre in Hampton in Virginia on a December morning, a grey steel desk below half-drawn venetian blinds, at its left a heavy grey mechanical calculating machine with ten columns of round cream keys, every key plain, smooth and unmarked, a carriage with small dark windows across its top, the casing plain grey, at the desk the woman, an African American woman of forty-four with short wavy dark hair and glasses, in a white short-sleeved blouse, a pencil above wide sheets of faint ruled columns, a celestial globe soft behind her.
Wer
Katherine Johnson (1918–2020) war eine US-amerikanische Mathematikerin, die bei der NASA Flugbahnen für die ersten bemannten Raumflüge berechnete. Geboren am 26. August 1918 in White Sulphur Springs in West Virginia, übersprang sie mehrere Schulklassen und schloss 1937 das West Virginia State College mit Auszeichnung ab. Sie unterrichtete an einer Schule für schwarze Kinder; 1939 gehörte sie zu den drei ersten schwarzen Studierenden an der Graduiertenschule der West Virginia University. 1953 kam sie an das Langley-Labor der NACA, der Vorgängerin der NASA, in die Rechengruppe West Area Computing und nach zwei Wochen in die Flugforschung. Sie berechnete die Bahn für Alan Shepards Flug im Mai 1961 und prüfte die Bahnrechnungen für John Glenns Erdumkreisung 1962 nach. Später rechnete sie für Apollo, das Space Shuttle und den Erdbeobachtungssatelliten ERTS. 1960 stand sie als erste Frau ihrer Abteilung als Autorin auf einem Forschungsbericht, insgesamt auf 26. Nach 33 Jahren ging sie 1986 in den Ruhestand. 2015 erhielt sie mit 97 Jahren die Presidential Medal of Freedom. Sie starb am 24. Februar 2020 mit 101 Jahren.
Der Moment
Am 7. Dezember 1962 fotografierte Bob Nye, Fotograf des Langley-Forschungszentrums, Katherine Johnson an ihrem Schreibtisch. Die NASA führt das Bild unter dem Titel „Katherine G. Johnson at Work“. Sie sitzt mit dem Bleistift über breiten Bögen voller Zahlenkolonnen, links steht eine schwere mechanische Rechenmaschine von Monroe mit voller Tastatur, dahinter ein durchsichtiger Himmelsglobus, an den Fenstern hängen Jalousien. Mit solchen Tischrechnern hatte sie ein gutes Jahr zuvor, im Herbst 1961, die Wiedereintrittsrechnung für John Glenns Flug geprüft. Glenn wollte damals, dass „das Mädchen“ die Ergebnisse des neuen IBM-Rechners auf den alten Maschinen nachrechnet; die Arbeit dauerte etwa zwei Wochen. Das Werk zeigt nicht jene Wochen, sondern den gewöhnlichen Arbeitstag im Dezember 1962, den das Foto festhält.
Die Kehrseite
Die Rechengruppe, in der Johnson 1953 anfing, war eine eigene Abteilung für schwarze Frauen; das Labor hatte sie nach Hautfarbe getrennt eingerichtet. Glenn mochte sein Leben 1961 nicht allein einem Rechner anvertrauen und verließ sich auf eine Mathematikerin, die das Labor acht Jahre zuvor in eben diese getrennte Gruppe gesteckt hatte. Die Presidential Medal of Freedom erhielt sie erst mit 97 Jahren. Der Film „Hidden Figures“ hat ihre Geschichte dabei zugespitzt: Den Anruf Glenns von der Startrampe, mit dem er kurz vor dem Start um Nachrechnung bittet, hat es nach dem Kurator Michael Neufeld nie gegeben.
Was die Quellen offenlassen: Das Foto vom 7. Dezember 1962 ist schwarz-weiß; die Farben im Bild sind angenommen, ebenso die Tageszeit. Woran Johnson an diesem Tag rechnete und ob die Aufnahme gestellt war, ist nicht überliefert. Ihr Gesicht folgt diesem Foto. Den Schriftzug der Maschine und die Ziffern der Tabellen lässt das Bild bewusst weg. Die NASA-Biografie setzt Glenns Bitte um Nachrechnung ins Jahr 1962, Neufeld in den Herbst 1961.