The Electric Plough

1921 · The Revolutionaries · Werk 960 von 1.871

Rich autumn colours, a flat trampled field on the northern edge of Moscow, early afternoon in late October, grey overcast sky, dark brown wet earth, birches with the last yellow leaves on the far horizon, in the foreground an eight-furrow balance plough seen from close behind at the height of its two large iron wheels, a vertical threaded spindle with a handwheel, the plough tilted askew in its furrow, its rear share sprung out of the ground, a taut steel cable running from the plough forward out of the frame toward a low boxy winch engine, small and grey in the far haze, a worker in a grey padded jacket on the plough seat, beyond the plough a dense crowd of about forty in long dark overcoats, black leather coats, one grey soldier's greatcoat, felt hats, peaked caps, military caps, fur hats, a child in a knitted cap, a girl in a headscarf, and one step in front of the front row, nearest the cable, the man, a man of fifty-one with a short reddish beard, in a dark peaked cap pulled low and a dark double-breasted overcoat with a curly astrakhan collar, face turned toward the camera, the same size as the people directly behind him.

Wer
Wladimir Iljitsch Lenin, eigentlich Uljanow (1870–1924), war der Gründer des Sowjetstaats. Geboren am 22. April 1870 in Simbirsk, führte er nach der Spaltung der russischen Sozialdemokratie 1903 die Bolschewiki. Nach ihrem Umsturz im Oktober 1917 stand er an der Spitze der Sowjetregierung. Seine Partei herrschte von Anfang an mit Gewalt: Die im Dezember 1917 gegründete Geheimpolizei Tscheka übte den „roten Terror“ gegen sogenannte Klassenfeinde aus und wuchs bis Ende 1921 auf 143.000 Mann. Andere sozialistische Parteien ließ Lenin zerschlagen. Nach Krieg und Bürgerkrieg verhungerten 1921/22 rund fünf Millionen Menschen, auch als Folge der bolschewistischen Agrarpolitik. Im März 1921 erlaubte er mit der Neuen Ökonomischen Politik wieder privaten Handel, die Alleinherrschaft der Partei blieb. Technik war für ihn Programm: „Kommunismus ist Sowjetmacht plus Elektrifizierung des ganzen Landes“, sagte er im Dezember 1920. Ab Mai 1922 erlitt er mehrere Schlaganfälle und starb am 21. Januar 1924 in Gorki. Die Wurzeln der späteren stalinistischen Gewaltherrschaft reichen in seine Jahre zurück.
Der Moment
Am Samstag, dem 22. Oktober 1921, fuhr Lenin um 14.15 Uhr mit seiner Frau Nadeschda Krupskaja und seiner Schwester Marija Uljanowa aus dem Kreml zum Butyrski Chutor, dem Versuchsgut des Zootechnischen Instituts am nördlichen Stadtrand Moskaus. Vorgeführt wurde der erste sowjetische Elektropflug: Zwei elektrische Seilwinden standen etwa 400 Meter auseinander und zogen an einem Stahlseil einen achtscharigen Pflug über das Feld; fünf Mann bedienten die Anlage. Es war ein trüber, kühler Tag, das Feld von vielen Füßen zertreten. Auf den festgetretenen Streifen verlor der Pflug das Gleichgewicht, sein Heck sprang aus der Furche, und Lenin fragte gereizt, warum er „mit dem Schwanz wedelt“. Man bat ihn, wegen der Gefahr eines Seilrisses Abstand zu halten; er blieb dicht am Pflug und fragte die Konstrukteure, wie die Maschine stabiler und mit weniger Leuten zu betreiben sei. Diesen Moment zeigt das Bild. Um 16.10 Uhr war Lenin zurück im Kreml.
Die Kehrseite
Sechs Tage später meldete die Zeitschrift des Volkskommissariats für Landwirtschaft, die ersten Versuche seien „erfolgreich“ verlaufen. Ein Mitglied der Kommission „Elektroplug“ schrieb dagegen 35 Jahre danach, Lenin habe das Feld unzufrieden verlassen. Beides kann stimmen: Die Vorführung gelang, die Maschine war mangelhaft. Die Arbeiter des Gutes hatten Lenin mit dem Wunsch begrüßt, ein „stählernes, unzerstörbares Seil“ möge das Bündnis von Arbeitern und Bauern festigen und elektrisches Licht den Bauern den Weg weisen. Zur selben Zeit herrschte im Land Hunger: Die Hungersnot von 1921/22 kostete rund fünf Millionen Menschen das Leben.

Was die Quellen offenlassen: Der Ausruf über den Schwanz, die Warnungen und Lenins Unzufriedenheit stammen aus der Erinnerung von W. S. Jessin, 1956 veröffentlicht; den Ausgang kannte er nur aus Gesprächen mit Krupskaja. Jessin nennt auch eine Ankunft gegen 11 Uhr, die Biographische Chronik Lenins nach einer Archivakte 14.15 Uhr. Wie Winden und Stromleitung aussahen, ist nicht beschrieben; im Bild bleibt die Winde eine ferne Silhouette. Vier Fotos des Tages dienten als Vorlage.

Zum Weiterlesen

Quellen