Blue on Brown

1882 · Stained Bacilli Under Microscopes · Werk 1006 von 1.871

A room of the physiological institute in Berlin on a March evening, gas lamps in warm yellow light, along the wall a table in green baize with a row of brass microscopes, each with a glass slide bearing a pale brown smear with fine blue specks, listeners in black frock coats seen from directly behind, faces turned fully away, one bent to an eyepiece, at the end of the table the man, a man of thirty-eight with a full dark beard and round wire spectacles, in a dark frock coat, one hand tilting the mirror of a microscope.

Wer
Robert Koch (1843–1910) war einer der Begründer der Bakteriologie. Geboren am 11. Dezember 1843 in Clausthal im Harz als Sohn eines Bergbeamten, studierte er in Göttingen Medizin und war von 1872 bis 1880 Kreisarzt in Wollstein in der Provinz Posen. Dort, in der Wohnung, die zugleich sein Labor war, wies er nach, dass ein bestimmtes Bakterium den Milzbrand verursacht. 1880 holte ihn das Kaiserliche Gesundheitsamt nach Berlin. 1882 fand er den Erreger der Tuberkulose, 1883 auf einer Expedition nach Ägypten den der Cholera. 1891 wurde er Direktor des neuen Instituts für Infektionskrankheiten, des heutigen Robert Koch-Instituts, 1905 erhielt er den Nobelpreis für Medizin. Seine Verfahren, Bakterien rein zu züchten, zu färben und zu fotografieren, prägen die Mikrobiologie bis heute. Es gibt auch eine dunkle Seite: Auf einer Expedition nach Ostafrika 1906/07 verdoppelte er gegen die Schlafkrankheit die Dosis des arsenhaltigen Mittels Atoxyl, obwohl er die Risiken kannte; viele Kranke litten unter Schmerzen und Koliken, einige erblindeten. Das Robert Koch-Institut nennt diese Arbeit heute ethisch inakzeptabel. Koch starb am 27. Mai 1910 in Baden-Baden.
Der Moment
Am Abend des 24. März 1882 sprach Koch vor der Physiologischen Gesellschaft zu Berlin, im Institut für Physiologie, das Emil du Bois-Reymond leitete. Erwartet hatte man ein oder zwei Dutzend Zuhörer, es kamen mehr als hundert; viele mussten hinter den Stuhlreihen stehen. Koch war kein mitreißender Redner. Sein Thema war die Krankheit, an der damals, wie sein gedruckter Text festhält, jeder siebte Mensch starb. Er hatte eine Färbung gefunden, die ihren Erreger sichtbar machte: erst Methylenblau, dann ein brauner Farbstoff namens Vesuvin. Unter dem Mikroskop erschien das Gewebe braun, die Tuberkelbakterien blau. Nach dem Vortrag konnte jeder selbst hinsehen: Seine Assistenten hatten im Saal eine Reihe von Mikroskopen aufgestellt. Als Koch geendet hatte, blieb es still, Beifall gab es nicht. Paul Ehrlich nannte den Abend später sein größtes wissenschaftliches Erlebnis. Das Bild blickt an der Reihe der Mikroskope entlang auf Koch an ihrem Ende, der den Spiegel eines Geräts richtet. Am 10. April 1882 erschien der Vortrag gedruckt.
Die Kehrseite
Der Abend machte Koch fast über Nacht berühmt, im Juni 1882 wurde er Geheimer Regierungsrat. Mit dem Ruhm wuchs der Druck, auch ein Heilmittel zu liefern. Im August 1890 kündigte er auf dem Internationalen Medizinischen Kongress in Berlin ein Mittel gegen die Tuberkulose an, später Tuberkulin genannt, und hielt seine Zusammensetzung geheim. Koch rechnete mit Einnahmen von mehreren Millionen Mark im Jahr. Am Menschen erprobt hatte er es zunächst nur an sich selbst und an seiner 17-jährigen Geliebten. Anfang 1891 häuften sich Berichte über Verschlechterungen und Todesfälle; als Heilmittel war das Tuberkulin gescheitert. Nützlich blieb es nur für die Diagnose.

Was die Quellen offenlassen: Wie der Saal aussah, wie viele Mikroskope welcher Bauart dort standen und wie er beleuchtet war, ist nicht überliefert; Raum, Gaslicht und Tisch sind typisiert. Die Assistenten an den Mikroskopen sind nicht namentlich bekannt, und ob Koch selbst an der Reihe stand, ist nicht belegt. Sein Gesicht folgt einem Foto von 1890, für 1882 jünger und mit dunklerem Bart.

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Quellen