Preussischer Telegraf

1832 · Optical Telegraph · Werk 122 von 1.871

Preussischer Telegraf, 1832, Optical Telegraph

A Prussian optical telegraph station on the Berlin to Koblenz line, a tall mast carrying three crossbars with six rotating wooden wings, cable pulleys and a signal book desk in the timber cabin beneath.

Wofür es benutzt wurde
Militärisch organisiert, dem Kriegsministerium unterstellt, kommandiert vom Telegrafendirektor O'Etzel; das Telegraphisten-Corps hatte höchstens 200 Mann, je zwei pro Station. Zweck war eine schnelle Verbindung zur Westgrenze nach den Revolutionen von 1830. Ab 1833 standen 61, ab 1842 dann 62 Stationen auf etwa 587 Kilometern zwischen Berlin und Koblenz; befördert wurden nur staatliche Nachrichten, und nur von Personen, denen der König das Recht dazu verliehen hatte. Der Durchsatz lag bei etwa eineinhalb Zeichen in der Minute, zwei bis sechs Depeschen am Tag. Als die Berliner Kaufmannschaft 1835 bat, Börsenkurse senden zu dürfen, lehnte eine Kabinettsordre ab. Am 17. März 1848 trug die Linie eine Meldung des Innenministeriums nach Köln, seit dem Vortag sei in Berlin alles ruhig; am nächsten Tag brach dort die Revolution aus.
Was daran neu war
Preussen war spät dran: die Linie Paris-Lille arbeitete vierzig Jahre früher, und Pistors Apparat lehnte an eine Bauart des Engländers Watson an. Der Unterschied lag in der Zeichendichte. Sechs Flügel in drei Ebenen bildeten Hunderter, Zehner und Einer gleichzeitig ab, so dass eine einzige Stellung eine komplette dreistellige Codebuchnummer trug, wo Chappe zwei Zeichen hintereinander je Wort brauchte; von 4096 Stellungen waren 4095 nutzbar. Dazu kam eine einheitliche Berliner Zeit auf der ganzen Linie: alle drei Tage lief ein Zeitvergleichssignal von Berlin nach Koblenz durch, in knapp einer Minute, gegen gut zwanzig Minuten Unterschied der Ortszeit. Die vollständige Linie arbeitete dann nur sechzehn Jahre, von 1833 bis 1849.

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