A Siemens horseshoe magnet telephone receiver held in one hand on a Berlin post office counter, its turned wooden handle enclosing the magnet limbs and coils under a flared shell earpiece.
Wofür es benutzt wurde
Die Deutsche Reichspost benutzte den Fernsprecher zuerst im eigenen Betrieb: ab November 1877 zur mündlichen Übermittlung von Telegrammen zwischen den Ämtern, geregelt durch eine Dienstanweisung vom 28. November 1877. Der Siemens-Hörer war ein hantelförmiger Tischapparat aus Holz, Leder und Messing von rund 800 Gramm. Ein Mikrofon hatte er nicht: der Benutzer hielt den lederbezogenen Griff abwechselnd ans Ohr und vor den Mund. Batterie und Wecker für den Anruf standen daneben. Bei Gebühren von mindestens 200 Mark im Jahr blieb ein Anschluss Banken, Firmen und wohlhabenden Privatleuten vorbehalten.
Was daran neu war
Neu war die Lautstärke, nicht das Prinzip. Eduard Zetzsche schrieb 1879 im Polytechnischen Journal, die Siemens-Apparate zeichneten sich durch ihre bedeutende Tonstärke aus und ließen sich deshalb noch dort benutzen, wo ältere Telefone das unvermeidliche Geräusch nicht zu durchdringen vermochten - ein Hörer für das laute Arbeitszimmer. Siemens erreichte das mit einem Hufeisenmagneten aus Wolframstahl und eng zusammengeführten Polschuhen (Hufeisenmagnet: D.R.P. 2355 vom 14. Dezember 1877; nahe Pole: D.R.P. 3396 vom 8. Mai 1878). Zetzsche vermerkt im selben Aufsatz, dass Bell beide Pole schon 1877 von derselben Seite auf die Membran wirken ließ: neu waren Polform und Magnetstärke, nicht die Bauart. Patentieren konnte Siemens überhaupt nur, weil Bell sein Telefon in Deutschland nicht hatte schützen lassen. Derselbe Zetzsche sagte 1879 voraus, der Fernsprecher werde für den telegraphischen Verkehr nie Bedeutung erlangen, weil er keine bleibenden Zeichen hinterlasse.