1878 · Steam Car with Shaft Drive · Werk 267 von 1.871
Amedee Bollee's La Mancelle on a Le Mans street, steam engine under a bonnet at the front, vertical boiler behind the passenger compartment, driveshaft and chains reaching the rear wheels.
Wofür es benutzt wurde
Amédée Bollée père baute den Wagen nach Angabe des Château de Compiègne in vier Monaten für die Pariser Weltausstellung 1878, wo er eine Silbermedaille bekam; danach wurde er 1879 in Österreich und 1880 in Deutschland gezeigt. Er war ein Kundenfahrzeug für Wohlhabende, mit Victoria-Aufbau, um den Einstieg zu erleichtern. Die Fachseite Guide Automobiles Anciennes spricht von rund fünfzig verkauften Exemplaren. Ab August 1880, als der Wagen in Berlin vorgeführt wurde, lief eine Lizenzfertigung in Deutschland, hinter der das Bankhaus Arons und der Lokomotivbauer Wöhlert standen; 22 Wagen wurden in Deutschland abgesetzt, der letzte soll 1881 entstanden sein. Die versprochenen Lizenzgebühren aus Deutschland kamen nie; die deutsche Gesellschaft ging 1883 in Konkurs. Daneben baute Bollée Strassenzugmaschinen und Nutzfahrzeuge. Von rund fünfzig Wagen ist einer übrig, und den rettete nicht die Industrie: Madame Amédée Bollée schenkte ihn 1927 dem Museum in Compiègne.
Was daran neu war
Gemessen an der eigenen Obéissante von 1873: das Gewicht von 4,8 auf 2,75 Tonnen fast halbiert, dabei rund 40 Kilometer je Stunde, und statt eines Einzelstücks eine kleine Serie. Das besitzende Museum in Compiègne beschreibt Motor vorn, Hinterradantrieb und Einzelradaufhängung vorn. Die oft gezogene Linie zum späteren Système Panhard trifft aber nur halb: der Motor saß vorn, der Kessel hinten. Und die Quellen sind unterschiedlich mutig. Compiègne bleibt bei "construite en plusieurs exemplaires", "l'une des premières automobiles produites en série" und der weichen Formel, der Wagen habe die modernen Automobile vorweggenommen ("préfigure"); die Fachseite l'Automobile Ancienne schreibt rundheraus "la première voiture produite à plusieurs exemplaires". Wer recht hat, hängt daran, wie eng man Serie fasst; das Museum, das ihn besitzt, ist die vorsichtigere Stimme.