Herzstark's Drawing Table

1943 · Stepped Drum · Werk 437 von 1.871

Herzstark's Drawing Table, 1943, Stepped Drum

A small drawing table under a single bare electric bulb in an unpainted workshop, a technical drawing of a cylindrical calculating mechanism held flat by steel rules, the drawing sheet showing only line work of the drum and its stepped teeth, a pair of dividers and a stack of squared paper beside it, the rest of the room bare boards and shadow, the bulb the only light, its cone of warm light falling on the drawing and fading into grey darkness.

Wofür es benutzt wurde
Curt Herzstark zeichnete die Konstruktion seiner Rechenmaschine als Häftling im Konzentrationslager Buchenwald. Zugeteilt war er dem Gustloff-Werk II, dreizehn Produktionshallen, die die SS an die Wilhelm-Gustloff-NS-Industriestiftung in Weimar vermietete; Mitte 1944 arbeiteten dort nach Angaben der Gedenkstätte über 3000 Häftlinge Tag und Nacht in Elfstundenschichten an Gewehren, Geschützteilen und Feinmechanik für Raketen. Herzstark stand nicht an einer Maschine, sondern in der Arbeitsvorbereitung und prüfte, ob die Maschinen richtig und voll ausgelastet liefen. Die Zeichnungen entstanden in der sogenannten Freizeit, sonntags. Ein Zeichentisch als Möbel ist nicht belegt; das Interview spricht von Bleistiftzeichnungen, vollständig mit Maßen und Toleranzen.
Was daran neu war
Neu war nicht das Zeichnen, sondern der gezeichnete Gegenstand: eine Staffelwalze, die die Zähne für die Addition und die für das Neunerkomplement in einem Körper vereinigt, wo die Subtraktion vorher eine zweite Walze und damit Bauraum verlangte. Die Patentschrift Nr. 747073 für eine Rechenmaschine mit einer einzigen Schaltwalze hatte Herzstark schon am 19. August 1938 eingereicht, fünf Jahre vor der Einlieferung. Der Widerhaken steht im Protokoll des Interviews, das Erwin Tomash 1987 mit ihm führte: der Abteilungsleiter stellte in Aussicht, man werde die fertige Maschine, wenn sie gut geworden sei, dem Führer nach dem Sieg schenken, und dieser werde Herzstark gewiss zum Arier machen, damit er in Frieden und als Deutscher leben könne. Herzstarks eigener Satz dazu: "How honest that was, I am not sure." Die Zeichnungen wurden fertig, als der Krieg vorbei war.

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