L'Aigle

1869 · Imperial Yacht L'Aigle · Werk 560 von 1.871

L'Aigle, 1869, Imperial Yacht L'Aigle

The Suez Canal at Ismailia at dusk, half past five on 17 November 1869, pale orange western sky fading to violet, high sloping banks of yellow sand on both sides, the camera on the east bank astern of the passing imperial yacht L'Aigle, a long dark-hulled paddle steamer with three masts, sails furled, one tall black funnel trailing smoke, a large starboard paddle box amidships, its wheel turning slowly, three paddle boards broken, the paddle boxes almost touching the banks, at the stern the French tricolour, a flag of three equal vertical bands, the band nearest the flagstaff dark blue, the middle band white, the outer band red, on the high poop deck at the stern rail, right of centre, the woman, a woman of forty-three in a small dark hat and a plain dark dress, her right arm raised waving a white handkerchief, face turned toward the bank and the camera, the same height as the man beside her, an elderly white-haired man in a dark frock coat in profile, on the bank below the camera Egyptian lancers on horseback, field guns, a crowd in dark European coats and top hats and in long white galabiyas, far back in the canal the smoke of a second steamer.

Wer
Eugénie de Montijo (1826–1920) war von 1853 bis 1870 Kaiserin der Franzosen. Geboren in Granada als Tochter eines spanischen Adligen, heiratete sie am 30. Januar 1853 Kaiser Napoleon III.; 1856 kam ihr einziger Sohn zur Welt. Dreimal führte sie für ihren Mann die Regentschaft, 1859, 1865 und 1870 – beim ersten Mal noch ohne eigene Entscheidungen, 1865 mit mehr Gewicht. Sie gilt als erste „First Lady“ Frankreichs mit einer eigenen politischen Rolle. Als praktizierende Katholikin stand sie auf der Seite des Papstes. Ihr wird oft ein maßgeblicher Anteil an der Entscheidung zugeschrieben, in Mexiko ein von Frankreich gelenktes Kaiserreich zu errichten; es endete 1867 mit der Erschießung Kaiser Maximilians in Querétaro. Nach der Niederlage bei Sedan musste sie im September 1870 nach England fliehen. Ihr Sohn fiel 1879 mit der britischen Armee im Krieg gegen die Zulu. Eugénie starb am 11. Juli 1920 mit 94 Jahren in Madrid.
Der Moment
Am 17. November 1869 wurde der Süzkanal eröffnet. Das erste Schiff im Konvoi war die kaiserliche Yacht L'Aigle mit Eugénie an Bord, neben ihr Ferdinand de Lesseps, der den Bau betrieben und durchgesetzt hatte. Um acht Uhr fuhr die Yacht in Port-Saïd zwischen zwei Obelisken in den Kanal ein. Die Fahrt war ein Wagnis: Der Kanal war auf dem Grund kaum 22 Meter breit, der Raddampfer maß über die Radkästen 19 Meter. An der Schwelle El-Guisr schlug das Steuerbordrad an die Böschung, drei Schaufeln brachen. Die Kaiserin kam weinend auf die Brücke, um dem Kommandanten zu gratulieren. Gegen halb sechs, in der Dämmerung, erschien bei Ismaïlia über den hohen Sandufern erst eine Rauchfahne, dann eine Mastspitze. Langsam, die Räder drehten sich kaum, zog die Aigle an der Menge vorbei, die Batterien schossen Salut. Der Maler und Schriftsteller Eugène Fromentin stand am Ufer und notierte: Die Kaiserin auf ihrer hohen Dunette schwenkt ihr Taschentuch, neben ihr Monsieur de Lesseps. Diesen Augenblick zeigt das Bild.
Die Kehrseite
Den Weg hatten zuerst Menschen gegraben. Ab 1862 zog die Kanalgesellschaft Tausende ägyptische Bauern zur Zwangsarbeit heran. An der Schwelle El-Guisr trugen zuerst 20.000 Fellachen vier Millionen Kubikmeter Sand Korb für Korb ab; fast ebenso viel holten danach Couvreux' Grabmaschinen heraus. Als der neue Herrscher Ismail die Zwangsarbeit 1864 abschaffte, musste die Gesellschaft verstärkt auf Maschinen und angeworbene ausländische Arbeiter setzen. Fertig war der Kanal auch am Eröffnungstag nicht. Der Kommandant der Aigle berichtete, an diesem Tag habe man noch mit vielen Händen und Baggern die schwierigsten Stellen verbreitert.

Was die Quellen offenlassen: Was die Kaiserin an diesem Tag trug, beschreibt kein Zeuge; das dunkle Kleid im Bild ist gesetzt. Die Uhrzeit halb sechs nennt nur Fromentin. Ob sie Lesseps vor der Menge bei der Hand nahm, ist strittig: Ein Augenzeugenbuch von 1870 sagt ja, Fromentin schreibt, sie habe es vergessen. Die kaiserliche Standarte am Großmast fehlt im Bild mit Absicht.

Zum Weiterlesen

Quellen