The Emperor Takes the Train

1872 · Shimbashi-Yokohama Railway · Werk 600 von 1.871

The Emperor Takes the Train, 1872, Shimbashi-Yokohama Railway

Shimbashi station platform, Tokyo, ten in the morning of 14 October 1872, clear blue sky, low sun from the right, a low gravel platform under a timber roof, plain white paper lanterns under the roof edge, behind it the two-storey station building clad in pale grey tuff stone, a flagpole at the building flying a white flag with one red disc at its centre, small British two-axle carriages on the track, a small dark tank locomotive with plain side tanks far left, at the open door of the third carriage, right of centre, the young man, a Japanese man of twenty in the wide pale silk court robe noshi and a tall black lacquered court cap, face turned toward the camera, the same height and distance from the camera as the courtiers beside him, five court officials in dark hitatare robes of deep blue, brown and grey around him, seen from behind and in profile, guardsmen in dark western uniforms with white cross belts presenting rifles along the platform edge, a bugler at the end of their line, court musicians in white robes by the building, three envoys in black frock coats and top hats.

Wer
Der Meiji-Tennō (1852–1912), mit persönlichem Namen Mutsuhito, war der 122. Kaiser Japans. Er kam 1867 als Jugendlicher auf den Thron. Noch im selben Jahr gab der Shogun die Macht ab, und eine neue Regierung, geführt von Männern aus Satsuma und Chōshū, handelte fortan in seinem Namen. Unter ihm schaffte Japan die Feudalherrschaft ab, übernahm Einrichtungen und Technik aus Europa und Amerika und erhielt 1889 eine Verfassung, die dem Kaiser weite Rechte gab. Oft vermittelte er im Streit zwischen den führenden Politikern, und in den Kriegen nahm er im Hauptquartier selbst an der Kriegsführung teil. Seine Zeit hat eine dunkle Seite: Japan führte Krieg gegen China (1894/95) und Russland (1904/05), annektierte 1910 Korea und wurde zur Kolonialmacht. Das Erziehungsedikt von 1890 stellte die Treue zum Kaiser in den Mittelpunkt des Unterrichts. Die Epoche trägt seinen Namen, und der Meiji-Schrein in Tokio ist ihm geweiht.
Der Moment
Am 14. Oktober 1872 eröffnete der Kaiser die erste Eisenbahn Japans, 29 Kilometer von Shimbashi in Tokio nach Yokohama. Die Akten des Staatsrats und des Eisenbahnamts halten den Ablauf fest. Um neun Uhr fuhr er im Vierspänner aus dem Palast, gekleidet in den Hofmantel Nōshi. Am Bahnhof Shimbashi präsentierte die Garde das Gewehr, ein Hornsignal ertönte, die Nationalflagge wurde gehisst, Hofmusik spielte. Der Kaiser stieg in den dritten Wagen, um zehn Uhr fuhr der Zug ab; auf dem Exerzierplatz Hibiya feuerte die Gardeartillerie 101 Salutschüsse, die Kriegsschiffe vor Shinagawa 21. Um elf Uhr war er in Yokohama. Dort setzte er sich im Ruheraum auf einen Stuhl und verkündete einen Erlass: Er habe die Bahn selbst eröffnet, freue sich ihres Nutzens und wünsche, dass die Linie sich über das ganze Land ausbreite. Lokomotiven, Wagen und Schienen kamen aus Großbritannien. Das Bild zeigt Shimbashi vor der Abfahrt: den Kaiser an der Tür des dritten Wagens, um ihn die Beamten in alter Tracht, an der Bahnsteigkante die Garde.
Die Kehrseite
Die Beamten trugen bei der Eröffnung Hitatare, das alte Zeremonialgewand der Samurai, der Kaiser den Hofmantel. Rund zwei Monate später, im Dezember 1872, schaffte ein Erlass des Staatsrats die Hitatare ab und führte westliche Hofuniformen ein. Die Maschine des neuen Japan wurde in der Tracht des alten eröffnet. Und sie war teuer: Die dritte Klasse kostete 37,5 Sen, zehn Kilo Reis kosteten um diese Zeit etwa 55 Sen. Auch die gesenkten Preise von 1873 konnten sich die meisten Menschen nicht leisten.

Was die Quellen offenlassen: Welche der zehn britischen Lokomotiven den Zug zog, ist umstritten; im Bild trägt die Lok weder Nummer noch Schild. Die Farbe des Hofmantels ist nicht überliefert, ebenso wenig, ob der Kaiser auf dem Bahnsteig stand. Die Pläne des Bahnhofs sind verloren, Gebäude und Dach im Bild sind typisiert. Das Gesicht folgt Uchida Kuichis Fotografie vom April 1872.

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Quellen