The Ritter Files

1936 · Card Index and Calipers · Werk 701 von 1.871

The Ritter Files, 1936, Card Index and Calipers

A workroom of a research office in Berlin in 1936, on a long plain pine table an oak card index box about forty centimetres long with its hinged lid open, filled with upright buff cards behind blank guide cards, seen from their top edges, beside the box a spreading caliper with two curved arms and a sliding caliper, both of nickel-plated steel on a grey cloth, in the background soft in focus a half unrolled paper chart on the wall with a branching web of fine lines, a wooden chair pushed back from the table, bare plastered walls painted pale green, brown linoleum floor, cold north light from a tall window on the left, a deserted silent room.

Wofür es benutzt wurde
Robert Ritter war Arzt und leitete die Rassenhygienische und bevölkerungsbiologische Forschungsstelle, die Ende 1936 am Reichsgesundheitsamt in Berlin eingerichtet wurde. Ihre Aufgabe war, Sinti und Roma zu erfassen und einzuordnen. Die Mitarbeiter legten Stammbäume an, zwangen die Untersuchten zu Angaben über ihre Familienverhältnisse, nahmen Messungen vor, machten Tausende anthropologischer Fotos und entnahmen Blut- und Haarproben. Himmlers Erlass vom 8. Dezember 1938 beauftragte die Stelle mit der Erfassung aller Sinti und Roma im Reich, in enger Zusammenarbeit mit SS und Polizei. Das NS-Dokumentationszentrum München schreibt, die Klassifizierung sei damit auf alle über sechs Jahren ausgeweitet worden. Bis Kriegsende entstanden rund 24.000 Gutachten.
Was daran neu war
Neu war nicht die Rassenanthropologie, die schon vor 1933 etabliert war, sondern ihre Verbindung mit der Polizei. Das Gutachten dieser Stelle war keine Veröffentlichung, sondern ein Papier, das über einen Menschen entschied. Das Dokumentationszentrum Deutscher Sinti und Roma schreibt, die Gutachten seien bei den Deportationen in Konzentrations- und Vernichtungslager ausschlaggebend gewesen. Ritter verlegte das angebliche Problem von der Gruppe auf die Vermischung: Nach Angaben des NS-Dokumentationszentrums München teilte die Stelle die Erfassten in 34 Gruppen ein und gab Empfehlungen für Zwangssterilisationen und erzwungene Schwangerschaftsabbrüche. Ritter selbst blieb nach 1945 unbehelligt, arbeitete von 1947 bis 1950 als Arzt im Stadtgesundheitsamt Frankfurt am Main, und das Ermittlungsverfahren, das Überlebende angestoßen hatten, wurde eingestellt.

Was die Quellen offenlassen: Beide Quellen nennen rund 24.000 Gutachten, das NS-Dokumentationszentrum "knapp 24.000" bis 1944, das Dokumentationszentrum Deutscher Sinti und Roma "some 24,000" bis Kriegsende. Wie viele Personen damit erfasst wurden, nennt keine von beiden.

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