Bruxelles-Tervueren

1897 · The Revolutionaries · Werk 760 von 1.871

Bruxelles-Tervueren, 1897, The Revolutionaries

The scene filling the whole frame with the hall floor running to the bottom edge, a vast iron and glass exhibition hall in a Belgian city, afternoon of 31 July 1897, daylight through a glass roof on riveted cast-iron trusses, at the left edge of the frame the rim and spokes of a flywheel of several metres belonging to a horizontal blowing engine for a blast furnace, a long low steam engine on a cast-iron bedplate, wide flat leather belts running from the flywheel rim up to overhead shafting, two large dynamos beside it, at the engine's bearing a mechanic in a blue cotton work jacket and cap with an oil can, in profile, some steps further back two gentlemen in dark frock coats and top hats, one grey-bearded, one clean-shaven, seen from the side, and standing on the open floor in the centre of the frame directly beyond the flywheel, at the same distance from the camera as the mechanic, the man, a living figure in the scene and the only person whose face is sharp, a tall man of sixty-two with a long white full beard in a black top hat and long dark double-breasted frock coat, a walking stick in one hand, the other behind his back, his face turned toward the camera.

Wer
Leopold II. (1835–1909) war von 1865 bis zu seinem Tod König der Belgier und zugleich Herr über ein riesiges Gebiet in Afrika, das ihm persönlich gehörte. Im Februar 1885 erkannte die Berliner Generalakte seinen Anspruch auf das Kongobecken an; daraus wurde der „Unabhängige Kongostaat“. Leopold hat den Kongo nie betreten, ließ ihn aber von Brüssel aus regieren und ausbeuten, vor allem für Elfenbein und Kautschuk. Wer nicht genug Kautschuk brachte, wurde grausam bestraft oder getötet, Frauen wurden als Geiseln genommen. 1904 veröffentlichte der britische Konsul Roger Casement einen Bericht über diese Gewalt, im selben Jahr entstand die Congo Reform Association. 1908 ging der Kongo an den belgischen Staat über. Wie viele Menschen starben, weiß niemand genau: Der amerikanische Autor Adam Hochschild nannte 1998 bis zu zehn Millionen Tote; Historiker wie Jean Stengers hielten das für übertrieben, bestritten aber den starken Rückgang der Bevölkerung nicht. In Brüssel ließ der König große Straßen und Bauten anlegen. 2020 wurden mehrere seiner Denkmäler entfernt oder beschädigt, und König Philippe drückte dem Kongo sein „tiefstes Bedauern“ über die Gewalt der Kolonialzeit aus.
Der Moment
Am Nachmittag des 31. Juli 1897, einem Samstag, besuchte der Lord Mayor of London mit großem Gefolge die Weltausstellung in Brüssel. Der König war schon vor seinem Gast eingetroffen. Während der Engländer die belgische Abteilung besichtigte, hielt sich Leopold in der Maschinengalerie auf, so meldete es eine niederländische Zeitung drei Tage später. Dort standen Maschinen der besten belgischen Konstrukteure: Cockerills Gebläsemaschine für Hochöfen mit mehr als 1.000 PS, ein „Belfried aus Eisen“, dazu liegende Dampfmaschinen, große Schwungräder und Dynamos, die Licht und Kraft für die Halle lieferten. Die Ausstellung hatte zwei Orte, den Park am Cinquantenaire in Brüssel und Tervuren mit der Kongo-Abteilung. Auf Betreiben des Königs verband sie eine 15 Kilometer lange und 80 Meter breite Avenue; seit Mai 1897 fuhr eine elektrische Straßenbahn in einer halben Stunde hinaus. Das Bild zeigt den König zwischen den Maschinen, mit 62 Jahren, im Gehrock.
Die Kehrseite
Am anderen Ende dieser Straßenbahn lebten im selben Sommer 267 Männer, Frauen und Kinder aus dem Kongo in drei umzäunten Dörfern, unter Zwang hergebracht als Werbung für den Kongostaat des Königs. Sieben von ihnen starben in Tervuren; auf dem Friedhof des Ortes durften sie nicht begraben werden. Leopold zeigte sich ihnen nicht, angeblich aus Sorge um sein Ansehen, wie ein Brüsseler Korrespondent im August 1897 schrieb. Ihre Gräber liegen seit 1953 an der Kirche von Tervuren.

Was die Quellen offenlassen: Dass der König am 31. Juli 1897 in der Maschinengalerie war, meldet eine niederländische Zeitung; vor welcher Maschine er stand, ist nicht überliefert. Gebläsemaschine, Schwungrad und Dynamos sind belegtes Inventar der Halle. Kleidung, Gefolge und Wetter sind nicht beschrieben. Belgische Zeitungen des Tages wurden nicht eingesehen. Die Zahl der Toten im Kongostaat bleibt umstritten.

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Quellen