1908 · Gyroscopic Ship Compass · Werk 780 von 1.871
A gyroscopic compass of 1908 in its binnacle on the bridge of a warship at Kiel, an upright cylinder of matt yellowish brass one metre forty-six high, smooth plain sides, on top a round head with a dark disc under glass, seen from the side at a low slant so the disc shows only as a dark oval, two curved brass tubes rising left and right of the head, a thick cloth-wrapped cable running from its foot to a grey converter box on the wall, a hand in a dark blue uniform sleeve on the head, the steering wheel behind it, riveted walls, round windows with Baltic morning light from the left.
Wofür es benutzt wurde
Ein nordsuchender Kreiselkompass für Schiffe, deren Stahlrumpf den Magnetkompass unzuverlässig machte. Die Case-File-Darstellung des Franklin Institute beschreibt das Problem so: Das Metall des neuen Schiffstyps schirmte den Kompass gegen die Feldlinien der Erde ab, das falsche Feld ließ sich vom Erdfeld nicht unterscheiden, und mit jedem weiteren Geschütz wurden die Fehler ernster. Der Kreisel richtet sich stattdessen mechanisch aus. Hermann Anschütz-Kaempfe erprobte seine Geräte in der Kieler Förde, nach der Firmendarstellung auf dem Schiff "Undine": gegen Vibration stabil, auf der äußeren Förde vom Seegang stark gestört. Widerhaken: Von dem 1908 vorgestellten, an Bord brauchbaren Gerät bis zum ersten Handelsschiff mit Anschütz-Kompass lagen 5 Jahre - 1913 bekam ihn die "Imperator" der HAPAG mit 52.000 Tonnen.
Was daran neu war
Zwei Erfinder im selben Jahr, und der Vorrang war strittig genug für einen förmlichen Einspruch. Sperry Marine verzeichnet für 1908 das britische Patent Nr. 10382/08 von Anschütz auf den ersten nordsuchenden Kreiselkompass und für dasselbe Jahr Sperrys ballistischen Kreiselkompass mit senkrechter Dämpfung - und hält fest, dass beide Geräte dieses Jahres Ein-Pendel-Typen waren. Das Franklin Institute schreibt, der Erfinder sei nicht Sperry gewesen, sondern Anschütz-Kaempfe; die erfolgreichen Versuche von 1908 hätten Sperry aufmerksam gemacht; Anschütz' Firma habe Sperrys Eigenständigkeit 1914 angegriffen; Anschütz habe US-Patente vor Sperry gehalten.
Was die Quellen offenlassen: Die Firmengeschichte von Anschütz nennt im Text 1908 für den ersten an Bord brauchbaren Kreiselkompass, in der Zeittafel derselben Seite 1907 für den ersten im Betrieb.