1958 · Germanium Solid Circuit · Werk 841 von 1.871
An electronics laboratory in Dallas on a September afternoon, sunlight in stripes through slatted blinds, on a bench a small glass slide with a pale pinkish-beige bar of germanium one centimetre long in grey-white wax, fine gold wires in low arches over the bar, a stereo microscope, an oscilloscope in a grey steel case, its round screen glowing with a single green sine wave on a plain dark ground, at the bench a slender young man with short dark hair in a white short-sleeved shirt, one hand on a black toggle switch, alone at the bench, seen from directly behind, face turned fully away, the room empty around him.
Wer
Jack S. Kilby (1923–2005) war Elektroingenieur bei Texas Instruments und einer der beiden Erfinder des integrierten Schaltkreises, des Mikrochips. Er wuchs in Kansas auf, wo sein Vater ein kleines Elektrizitätsunternehmen führte; als ein Eissturm die Leitungen umwarf, erlebte er, wie Funkamateure die Verbindung hielten. Nach dem Studium der Elektrotechnik an der University of Illinois (1947) entwickelte er beim Bauteilehersteller Centralab in Milwaukee Schaltungen für Hörgeräte und Fernseher. Im Mai 1958 ging er zu Texas Instruments nach Dallas, weil man ihn dort ganz an der Verkleinerung von Elektronik arbeiten ließ. Im Sommer 1958 baute er die erste Schaltung, deren Bauteile alle aus einem Stück Halbleiter bestanden. Später war er an der Entwicklung des ersten Taschenrechners und des Thermodruckers beteiligt. Für seinen Anteil an der Erfindung erhielt er 2000 den Nobelpreis für Physik. Robert Noyce von Fairchild, der den Chip unabhängig und in einer fertigungstauglichen Form entwickelte, hätte ihn nach Kilbys Worten geteilt, wäre er noch am Leben gewesen. Taschenrechner, Mobiltelefon und Digitalkamera wären ohne den Chip nicht möglich gewesen.
Der Moment
Im Sommer 1958 waren rund 90 Prozent der Belegschaft von Texas Instruments im Betriebsurlaub; Kilby, gerade erst eingestellt, hatte noch keinen Urlaub und nutzte die Ruhe. Am 24. Juli hielt er im Laborbuch fest, dass Widerstände, Kondensatoren und Transistoren aus demselben Material in einem einzigen Stück entstehen könnten. Sein Vorgesetzter Willis Adcock war begeistert, aber skeptisch und verlangte einen Beweis; den lieferte Kilby am 28. August mit einer Schaltung aus einzelnen Siliziumteilen. Für die erste wirklich integrierte Schaltung schnitten dann die Techniker Pat Harbrecht und Tom Yeargan Germaniumscheiben in Stäbchen von etwa 0,12 mal 0,4 Zoll; feine Golddrähte verbanden die Teile. Am 12. September 1958 waren die ersten drei Phasenschieber-Oszillatoren fertig. Als Strom angelegt wurde, schwang das erste Stück mit etwa 1,3 Megahertz. Am 19. September lief eine Kippschaltung aus demselben Verfahren.
Die Kehrseite
In seiner Nobelvorlesung sagte Kilby, militärische Anwendungen hätten eine große Rolle gespielt; die ersten Befürworter kleiner Elektronik seien Militär und Raumfahrtbehörden gewesen. Im Mai 1959 kam Eldon Hall vom MIT nach Dallas, um den Navigationsrechner der U-Boot-Rakete Polaris zu verkleinern. Die Navy bezahlte 64 Stück einer Sonderversion zu je 1.000 Dollar. Wegen der mühsamen Handarbeit und anderer Vorrangprojekte bei TI kamen sie erst 1962, zu spät für das Projekt. Den Durchbruch brachten in den 1960er-Jahren das Apollo-Programm und die Rakete Minuteman.
Was die Quellen offenlassen: Wie die Schwingung auf dem Oszilloskop aussah, beschreibt Kilby nicht, er nennt nur die Frequenz. Wer am 12. September neben ihm stand, ist nicht überliefert; die zwei Männer im Bild sind Typen. Kilby ist von hinten zu sehen, weil es kein gemeinfreies Foto aus jungen Jahren gibt; das einzige freie Bild zeigt ihn 1986. Labor und Gebäude sind nicht beschrieben.
Zusammenhänge
Jeder Verweis nennt seine Art. „Vorläufer“ allein wäre eine Behauptung.