Dorpat Refractor

1824 · Refracting Telescope · Werk 205 von 1.871

Dorpat Refractor, 1824, Refracting Telescope

Fraunhofer's great refractor in the Dorpat observatory, its brass tube on a counterweighted German equatorial mount driven by falling weight clockwork, astronomer seated at the eyepiece.

Wofür es benutzt wurde
Friedrich Georg Wilhelm Struve, Direktor der Sternwarte Dorpat (heute Tartu, Estland), nutzte den Refraktor für Doppelsterne und Sternentfernungen. Bestellt hatte er ihn 1817 bei Fraunhofer in München; am 10. November 1824 kamen 22 Kisten in Dorpat an, fünf Tage später beobachtete Struve zum ersten Mal. Sein Katalog von 1827 führte 3.112 Doppelsterne auf, gesichtet unter rund 120.000 Sternen des Nordhimmels. Er maß damit auch die Parallaxe der Wega. 1837 nannte er 0,125 Bogensekunden, fast den heutigen Wert von 0,130. Mit mehr Messungen korrigierte er um 1840 auf 0,261 und lag damit doppelt daneben. Reid und Menten zeigten 2020, dass der erste Wert nur zufällig stimmte: zwei Messrichtungen ergaben getrennt deutlich verschiedene Parallaxen.
Was daran neu war
Fraunhofers Objektiv hatte 24,4 cm Öffnung bei 4,34 m Brennweite; das UNESCO-Portal zum astronomischen Erbe nennt das Gerät den besten und größten Refraktor seiner Zeit. Dazu kamen eine parallaktische Montierung, später als „deutsche Montierung“ bekannt, und ein Uhrwerk, das das Fernrohr der Himmelsdrehung nachführte. So blieb ein Stern im Gesichtsfeld stehen, während Struve Abstände und Winkel mit dem Mikrometer maß. Ob Dorpat das erste Fernrohr mit Uhrwerksantrieb war, lässt sich aus den geprüften Quellen nicht sicher belegen. Bei der Sternparallaxe arbeiteten mehrere zugleich: Bessel in Königsberg veröffentlichte 1838 die Parallaxe von 61 Cygni, gemessen mit einem Heliometer, ebenfalls von Fraunhofer. Struve hatte seinen vorläufigen Wert schon 1837 genannt; als erste belastbare Messung gilt meist Bessels.

Zusammenhänge

Jeder Verweis nennt seine Art. „Vorläufer“ allein wäre eine Behauptung.

  1. Folgt ausBenediktbeuern Spectrometer1814Fraunhofer bestimmte an den dunklen Linien Brechung und Farbenzerstreuung seiner Glassorten; der Titel seiner Abhandlung von 1817 nennt den Zweck: in Bezug auf die Vervollkommnung achromatischer Fernröhre. Nach der Fraunhofer-Gesellschaft ließen sich damit die Brechzahlen genau berechnen, die achromatische Linsen verlangen. 1819 entstand so das Objektiv für Dorpat, das größte bis dahin gefertigte.Beleg: Joseph Fraunhofer, Bestimmung des Brechungs- und Farbenzerstreuungs-Vermögens verschiedener Glasarten, in Bezug auf die Vervollkommnung achromatischer Fernröhre (1817), Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek · Fraunhofer-Gesellschaft, Fraunhofer in Benediktbeuern: Glassworks and Workshop (PDF)

Zum Weiterlesen