The Polarised Ray

1897 · Millimetre-Wave Apparatus · Werk 801 von 1.871

A lecture theatre in London on a January evening, gaslight, steep tiers of benches with listeners in dark evening dress seen from directly behind, faces turned fully away, on a lecture table a brass optical bench, at one end a radiator box of brass and dark wood fifteen centimetres long, its brass tube closed by black ebonite, opposite it a small ebonite receiver, wires to a brass mirror galvanometer, its bright light spot on a plain frosted screen, behind the table the man, an Indian man of thirty-eight, wavy dark hair, full dark moustache, dark high-buttoned frock coat, his face toward the camera.

Wer
Jagadish Chandra Bose (1858–1937) war Physiker und später Pflanzenforscher, einer der ersten Naturwissenschaftler Indiens im modernen Sinn. Geboren in Mymensingh im heutigen Bangladesch, studierte er in London und Cambridge und wurde 1885 als erster Inder Professor für Physik am Presidency College in Kalkutta. Ab 1894 forschte er in einem kleinen Raum neben einem Badezimmer des Colleges an elektrischen Wellen. Er erzeugte Wellen von nur fünf Millimetern Länge und baute dafür Hohlleiter, Hornantennen und Linsen, die heute zur Mikrowellentechnik gehören. Für einen Detektor aus Bleiglanz erhielt er 1904 ein US-Patent; Walter Brattain, einer der Erfinder des Transistors, räumte ihm später mit Gerald Pearson den Vorrang beim Halbleiterkristall als Empfänger ein. Danach wandte sich Bose den Pflanzen zu und baute Messgeräte für ihr Wachstum. Seine Deutung, Lebendes und Unbelebtes antworteten gleich auf Reize, und seine Nähe zu spiritüllen Lehren machten ihn in der Fachwelt zunehmend zum Außenseiter. 1917 gründete er in Kalkutta das Bose Institute, 1920 wurde er Fellow der Royal Society. In Indien wird er bis heute als Begründer der modernen Wissenschaft des Landes verehrt.
Der Moment
Am Freitag, dem 29. Januar 1897, sprach Bose auf Einladung bei einem Abendvortrag der Royal Institution in London, den Vorsitz führte Sir James Crichton-Browne. Sein Thema war die Polarisation des elektrischen Strahls. Die ganze Apparatur samt Galvanometer passte in einen Kasten von zwei Fuß Länge. Der Strahler war so groß wie eine kleine Laterne, sein Rohr mit einer dünnen Ebonitplatte verschlossen; Strahler und Empfänger standen auf Reitern einer optischen Bank. Traf der Strahl den Empfänger, feine Drahtspiralen in einer Ebonitrille, flog der Lichtfleck des Galvanometers über den Schirm. So zeigte Bose, dass elektrische Strahlen gebrochen und polarisiert werden wie Licht, sogar von einem alten Eisenbahn-Kursbuch. Zum Schluss wünschte er sich eine Zeit, in der Ost und West gemeinsam das Wissen erweitern. Das Werk zeigt diese Apparatur von 1897. Den Bleiglanz-Detektor, der früher an dieser Stelle der Sammlung stand, ließ Bose erst Jahre später patentieren.
Die Kehrseite
Bose ging es an diesem Abend um die Natur der Wellen, nicht um Nachrichten. Im Mai 1897 gelang Guglielmo Marconi auf der Salisbury-Ebene die Funkübertragung; den Nobelpreis für drahtlose Telegrafie erhielten 1909 Marconi und Ferdinand Braun. Eine Funkfirma bat Bose später, nichts mehr zu veröffentlichen, bis man sich über Patente geeinigt habe. Aus der Behauptung, er sei Marconi zuvorgekommen, wurde eine Legende, die sein Biograf Subrata Dasgupta den Bose-Mythos nennt: Ähnliche Vorführungen waren schon Oliver Lodge gelungen. Außerhalb Indiens dagegen wurde Bose lange kaum gewürdigt.

Was die Quellen offenlassen: Wie der Hörsaal beleuchtet war und wer zuhörte, ist nicht überliefert; Saal und Publikum im Bild sind typisiert. Die Apparatur folgt Boses gedrucktem Vortrag. Das Gesicht folgt einem gemeinfreien Foto Boses an seiner Apparatur, das nach einer Angabe 1897 in London, nach einer anderen in Kalkutta entstand. Das Bose Institute datiert den Vortrag auf 1896, die Protokolle der Royal Institution auf 1897.

Zum Weiterlesen

Quellen