1985 · First RISC Chip Running · Werk 918 von 1.871
A development laboratory in Cambridge in England on an April afternoon, on a bench a cream home computer with plain, smooth, unmarked black keys, a grey ribbon cable to an open metal box, inside it a green board with a flat square lilac-grey ceramic chip three centimetres across, gold contact teeth along all four edges, a small monitor turned away from the lens glowing softly, two slender hands in the pushed-up sleeves of a grey knitted jumper resting on the keys, a second pair of hands easing the cork from a dark green bottle with a plain gold foil neck, white plastic cups, daylight through a tall window.
Wer
Sophie Wilson (geboren 1957) ist eine britische Informatikerin und einer der beiden Köpfe hinter dem ARM-Prozessor. Geboren in Leeds, begann sie 1975 in Cambridge Informatik zu studieren. Für die junge Firma Acorn Computers entwarf sie den Kleinrechner Acorn System 1, der ab 1979 verkauft wurde. Mit Steve Furber baute sie in weniger als einer Woche den Prototyp des BBC Micro; sie schrieb sein Betriebssystem und BBC BASIC. Über eine Million Geräte wurden verkauft, viele standen in britischen Schulen. Danach entwarf sie den Befehlssatz des ARM, eines schlanken 32-Bit-Prozessors nach dem RISC-Prinzip. Heute steckt die ARM-Architektur in den meisten Smartphones. Später entwarf sie den Prozessor FirePath und entwickelte ihn bei Broadcom weiter. Sie ist Fellow des Computer History Museum (2012) und der Royal Society (2013); 2022 erhielt sie mit Furber, David Patterson und John Hennessy den Draper-Preis. Sophie Wilson ist eine trans Frau. Museen und Fachgesellschaften führen ihr gesamtes Werk unter ihrem heutigen Namen, und so hält es auch dieser Text.
Der Moment
Am 26. April 1985 kamen die ersten ARM-Chips vom Hersteller VLSI Technology zurück nach Cambridge, nach Steve Furbers Erinnerung um 13 Uhr. Auf jedem saßen knapp 25.000 Transistoren. Das Team steckte einen Chip in die bereitstehende Zweitprozessor-Platine; sie hing an einem BBC Micro, der über die von Wilson entworfene Verbindung „Tube“ alle Ein- und Ausgaben übernahm. Das Betriebssystem startete, BBC BASIC lief. Wilson erinnert sich, dass sie „PRINT PI“ eingaben und die Champagnerflaschen öffneten, weil alles funktionierte. Furber nennt 15 Uhr und als ersten Gruß auf dem Schirm „Hello World, I am ARM“. Der Chip lief sogar, bevor seine eigene Stromversorgung angeschlossen war: Er zog genug Strom aus der Schnittstelle. Das Bild zeigt diesen Nachmittag: Hände auf der Tastatur, im offenen Gehäuse der lila-graue Chip, darüber ein Korken, der gerade aus der Flasche kommt.
Die Kehrseite
Der Erfolg fiel in eine Krise. Acorn hatte im Halbjahr bis Januar 1985 rund 11 Millionen Pfund Verlust gemacht; am 20. Februar 1985, zwei Monate vor dem ersten Lauf, kaufte Olivetti für etwa 12 Millionen Pfund 49 Prozent der Firma. Dass der ARM so wenig Strom brauchte, war nach Wilsons eigenen Worten keine Absicht, sondern ein Zufall; für kleine Geräte wurde es später entscheidend. 2012 sprach sie von über 32 Milliarden ausgelieferten ARM-Kernen. Zwanzig Milliarden Kopien eines kleinen Stücks ihres Kopfes in der Welt zu wissen, sagte sie, sei manchmal beängstigend.
Was die Quellen offenlassen: Ein Foto vom 26. April 1985 ist nicht bekannt, ein gemeinfreies Bild von Sophie Wilson gibt es nicht; das Werk zeigt deshalb nur Hände. Raum, Kleidung und Flaschen sind nicht überliefert. Wilson nennt „PRINT PI“ (das CHM-Transkript schreibt „PRINT PIT“), Furber „Hello World, I am ARM“; welche Zeile zuerst auf dem Schirm stand, ist offen, darum ist er abgewandt. Ältere Quellen führen sie unter einem früheren Vornamen; das Werk nennt ihn nicht.