1867 · Malling-Hansen Skrivekugle · Werk 521 von 1.871
A brass hemisphere studded with radiating key rods, fifty-two of them set in concentric rings so the whole dome bristles like a sea urchin, each rod ending in a small round cap, the dome mounted on a curved frame above a small platen on a polished wooden base, a sheet of paper curling from beneath the dome with a few lines of faint type on it, the machine standing on a slanted writing desk of dark oak, a brass gas bracket on the wall behind, its glass globe dim, tall sash windows admitting grey daylight from the left, the desk surface bearing a pen tray and a small stack of plain paper, the room continuing into shadow past rows of high clerks' stools and stand-up desks.
Wofür es benutzt wurde
Die Schreibkugel war eine Schreibmaschine in Form einer Halbkugel aus Messing: Die Tasten sitzen strahlenförmig auf der Kuppel, jede ist ein Stößel, der von oben in die Mitte auf das Papier schlägt. Gebaut hat sie Rasmus Malling-Hansen, Pfarrer und Lehrer an der Königlichen Taubstummenanstalt in Kopenhagen. Nach Darstellung der Klassik Stiftung Weimar kam er auf die Anordnung, weil er beobachtete, wie schnell seine gehörlosen Schüler mit den Fingern buchstabierten. Dänische Zeitungen empfahlen das Gerät im September 1870 für große Büros, für öffentliche Versammlungen, für Stenografie und Telegrafie. Rund 180 Stück wurden gebaut, etwa 30 sind erhalten. Der bekannteste Besitzer war Friedrich Nietzsche: Seine Schwester kaufte ihm eine, weil er seine eigene Handschrift kaum noch lesen konnte; im Februar 1882 kam sie in Genua an.
Was daran neu war
Schreibmaschinen waren 1870 keine Neuigkeit; andere hatten sich schon daran versucht. Neu war, dass diese in Serie gebaut wurde - die Klassik Stiftung Weimar nennt sie das erste serienmäßig hergestellte Schreibgerät - und dass die Tasten auf einer Kugel sitzen, also alle in Reichweite der Finger liegen, ohne dass die Hand wandert. Wie schnell sie wirklich war, ist Behauptung geblieben: "Folkets Avis" schrieb am 9. September 1870, man schreibe damit mindestens fünf- bis sechsmal schneller als mit der Feder, "Dagbladet" am 20. September, schneller als man spreche. Die frühen Modelle arbeiteten mit Elektromagneten, das hohe Modell von 1875 rein mechanisch. Der Widerhaken ist Nietzsche. Er fand die Tasten nicht, ohne hinzusehen, musste ständig mit Stift oder Tinte nachbessern und legte die Kugel nach sechs Wochen und knapp sechzig getippten Seiten weg.
Was die Quellen offenlassen: Das Jahr ist strittig. Die Klassik Stiftung datiert die Entwicklung auf 1865, das Patent auf 1870; die Malling-Hansen-Gesellschaft listet dänische Patente von 1864 bis 1884 und Patente in Sachsen (2. Juni 1870), Baden und Bayern; "Dagstelegrafen" meldete am 9. September 1870, das erste Exemplar sei am 2. September fertig geworden. Für 1867 nennt die Gesellschaft nur frühe Artikel, die ein verschollenes Tischmodell auf 1867-69 datieren, ohne Beweis.